Start a quota 100

Heute mal ein etwas anderes Format: Ich nehme euch mit auf einen Flug in die Freiheit. Stellt euch beim Anschauen der Bilder all eure Wünsche, Träume, Ängste, Zweifel und Hoffnungen vor, kommt mit mir fliegen …

 

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Auf diesem Flug in den Sonnenaufgang, merkst du, dass ALLES möglich ist (Wie zum Beispiel fliegen!!!). Grenzen setzen wir uns meist nur selbst, indem wir Angst die Übermacht gewinnen lassen, nicht auf unsere innere Stimme hören, uns davon leiten lassen, was andere für richtig halten oder aus einer Million anderer Gründe, die man leicht aufdecken kann, wenn man ehrlich ist. Ehrlich, vor allem zu sich selbst aber auch zu den anderen! Auf diesem Flug außerhalb der alltäglichen Grenzen fühlst du dich plötzlich frei, kannst auf den Wolken tanzen, der Sonne die Stirn bieten, siehst all die wunderschönen Farben, die die Welt zu bieten hat, von Pastell bis saftig rot. Du wirfst dich in die zuckerwattige Wolkendecke, die so kuschelig zuckrig ist und beobachtest das Treiben aus der Ferne. Am meisten aber wird dir bewusst, dass was da unten abgeht gar nicht so wichtig ist. Es gibt mehr, als das, was dich im Alltag festhält. Du fühlst dich wie ein Vogel, das Meer unter dir, der Wind in den Augen. Wenn du landest bist du durchgeschüttelt und ein bisschen weiser, weil du weißt, dass alles was dich manchmal festhält verschwindend ist, wenn du es mit Abstand beobachtest.

Sich seine Träume und Wünsche in Erinnerung zu rufen, sein Tun zu reflektieren und sich dadurch bewusst zu werden, was man wirklich will und tun muss, dass ist eine gute Übung fürs Glücklichsein.

Dieser Flug am 1.1.19 um 7 Uhr morgens war für mich der perfekte Start ins Jahr und auch gut geeignet, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, dankbar und stolz zu sein, für das, was ich in 2018 erreicht habe, denn 2018 war ereignisreich:

Meine Freunde wissen, dass ich weder ein Fan der Weihnachtszeit bin, noch eine Anhängerin von Neujahrsvorsätzen. Ich bin jedoch ein großer Fan davon, Zeit mit den Menschen, die mein Herz höher schlagen lassen, zu verbringen und davon, Träume Wirklichkeit werden zu lassen, Ängste zu bekämpfen, wahrhaftig zu sein und immer das Beste aus jeder Situation rauszuholen.

2018 hat genauso chaotisch und mit genau so viel Liebe geendet, wie es angefangen hat! Dieses vergangene Jahr war so aufregend, ereignisreich, verwirrend, dramatisch, gefährlich, lustig, erfolgreich, meerig, alleine, zusammen und frei und mutig, dass mich all diese Emotionen und Erlebnisse manchmal fast geschüttelt haben. Ein Wechselbad der Gefühle wahrhaftig, aber, wenn ich eines gelernt habe in 2018, dann, dass wir alle stärker sind, als wir es uns vorstellen können, dass es sich bewährt, immer auf sein Bauchgefühl zu hören und schließlich, dass es nötig und befreiend ist, sich seinen Ängsten zu stellen und nie davor wegzurennen. Nur so kann man wahrhaftig leben, der sein, der man ist, und das Leben genießen.

2018 war für mich ein großes Jahr, weil ich mal wieder nach Italien gezogen bin, mich von diversen Ängsten, Bedenken und Ballast losgesagt habe und, weil ich Gesundheitsprobleme, die Anfang des Jahres entdeckt wurden (hoffentlich für lange Zeit) erfolgreich hinter mir lassen konnte.

Dieser Beitrag war jetzt ein bisschen abseits vom #LebeninItalien, aber auch nur ein bisschen, denn er hat viel damit zu tun, warum ich überhaupt hier angekommen bin. Also wünsche ich viel Mut zur Wahrhaftigkeit für 2019, viel Groove zur eigenen Musik, Spaß beim Genießen, Innehalten und bei sich sein, sich den Ängsten bewusst zu werden und vielleicht sogar zu stellen, wie zum Beispiel der Flugangst, beim Träumen, Träume verwirklichen, wie zum Beispiel am Meer wohnen, oder was auch immer in euch schlummert 🙂 Aber vor allem dabei: dem Leben zu Leben, das ihr leben wollt. Happy gesundes 2019. Es lohnt sich, seinen eigenen Weg zu kennen und zu gehen!

Song zum Sonntag:

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6 Monate / 3. Advent / 185 Tage Meer

Ich habe in den letzten Monaten viel erzählt, von Schwierigkeiten, Landschaften, Essen, Städten, Bürokratie, Menschen, Palmen, Meer und Entdeckungstouren. Viel gearbeitet, mich viel gebräunt, viel Meeresluft geatmet und Erfahrungen gesammelt. Heute, am 3. Advent, bin ich sechs Monate hier und wenn ich eines sicher sagen kann, dann: ich bin am Anfang! Die Marken sind ein harter Brocken! Es braucht viel Muse, um hier in meinem kleinen Ort Menschen zu knacken und das Leben ist zu 100% anders als an den Orten, an denen ich bisher gewohnt habe. Es war eine Herausforderung bisher und es wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Dafür habe ich einiges gelernt: Es gibt so unglaublich viel zu entdecken! Im Sommer war ich nur draußen unterwegs, wenn ich nicht gerade auf Wohnungssuche war. Museen, Städte, Wein, Trüffel, die Bergregionen mit ihren Naturspektakeln… so viel habe ich noch nicht gesehen und probiert. Einiges habe ich schon probiert, wie einige wenige der vielen marchegianischen Exzellenzweine – außerdem habe ich unzählige Olive all’ascolana gemampft und immer wieder Neues entdeckt, wie Traditionsnachspeisen, Gemüse und Kräuter und vor allem Meeresfrüchte, von denen ich vorher nichts gehört hatte. Ich bin sehr dankbar, dass mich einige wenige Personen hier in ihr Herz gelassen haben und bin gespannt darauf, was im nächsten halben Jahr passiert. Zur Feier des Tages habe ich mir eine 45 minütige Bildershow über die Marken angeschaut, bei der ich noch einiges lernen konnte und mir schonmal Notizen für meine nächsten Erkundungstouren gemacht habe 🙂  (link unten)

Aber jetzt heißt es erstmal, schnell noch eine Woche arbeiten, nach München fliegen, „Großstadtleben“ aufsaugen, ins Schwabenländle fahren und Brezeln essen und dann zurück und auf in neue Abendteuer! Eine fröhliche Weihnachtszeit und einen Guten Rutsch und Gesundheit und felicità wünscht,

Jennifer 🙂

felicità = Glückseligkeit

Wer Lust auf Palmen hat an Weihnachten oder Langeweile und was vom Sofa aus entdecken will, außerdem ist auch die Stimme der Dame sehr besinnlich 😉

 

Ich nehme an, wenn die Dame sagt, dass die Marken ein unentdecktes Gebiet sind, dann meint sie von Touris unentdeckt, denn hier Leben viele Menschen, Tiere, Pflanzen usw. 😉

 

Another day in paradise

Sonntage sind für Ausflüge da.. und so ging es heute -bei Dezember-Traumwetter- los, um weiter die Umgebung zu entdecken. Die Marken sind wirklich ein Landstrich, in den Touris sich noch eher selten verirren.. zumindest im Landesinneren und vor allem im Dezember… gut, ich bin kein Touri, aber ich war heute mit einer Kollegin unterwegs und wir haben meistens englisch gesprochen .. da kann es schon mal passieren, dass jemand den Fensterladen öffnet und den Kopf rausstreckt, um zu schauen, ob Aliens in seinem Dorf gelandet sind ..

Nach 6 Kilometern Spaziergang durch 2 bezaubernde Orte (Sant‘ Elpidio a Mare und Civitanova Alta) kann ich euch die Fotos nicht vorenthalten. Videos gibts dann vermutlich morgen auf Instagram @ladolcevitaliana

Italienisches Gedöns #lezozzerie

Eigenheiten, die mir bisher aufgefallen sind, bzw. die ich hier entwickelt habe, lassen sich ganz gut in 3 Arten von Gedöns aufteilen. Meine 3 Arten von Gedöns – bitteschön:

Zozzerie dal mare / Gedöns vom Meer

Zozzerie di cracker / Cracker-Gedöns

Zozzerie di scontrini / Zettel-Gedöns

fangen wir mit dem ersten Gedöns an:

Zozzerie dal mare / Gedöns vom Meer

Man zieht also ans Meer um, macht jeden Tag einen Spaziergang am Strand und sammelt Muscheln, Steine, Hölzer und anderes Gedöns.. Spätestens nach ein paar Monaten merkt man:

  1. dass das Gedöns zuhause einstaubt
  2. dass man nix damit anfangen kann
  3. dass Muscheln eher ans Meer gehören
  4. dass man, wenn man nicht mehr aufhört zu sammeln, den Strand zuhause vorfindet
  5. niemals die Mobiles bastelt, die man eigentlich basteln wollte…

Wenn also jemand einen Tipp hat, wie man die Muscheln verarbeitet, dann her damit (bitte Abstand halten von kitschigen Ideen a la: „man klebe die Muscheln auf einen extra auf alt gemachten Bilderrahmen und blablabla“). Ich für meinen Teil habe mir zumindest Grenzen gesetzt und die Regel eingeführt, dass ich bei jedem Spaziergang nur höchstens 2 Teile mitnehmen darf. Wenn ich mich zwischen 3 nicht entscheiden kann, muss ich eines davon verschenken. Hahah. Sagen wir mal so, meine Muschelsammlung ist noch überschaubar!

Zozzerie di cracker / Cracker-Gedöns

So ein Phänomen ist eventuell Eltern bekannt, die für ihre dauerhungrigen Kinder immer irgendwelche Snacks dabei haben … Das Cracker-Gedöns entsteht folgendermassen: Man kauft eine dieser enormen Cracker Packungen für den kleinen Hunger zwischendurch, die extra umweltfreundlich in „KleinerHungerZwischendurch“- Einzelverpackungen verpackt sind und steckt eine dieser Einzelverpackungen in die Handtasche.. die Zozzeria nimmt ihren Lauf, indem man doch keinen kleinen Hunger zwischendurch bekommt und die Cracker in der Tasche lässt. Ergebnis:

Zozzerie di scontrini / Zettel-Gedöns

Die dritte und letzte Zozzeria ist die der Zettel. In Italien ist man verpflichtet, beim Verlassen eines Ortes, an dem man etwas erworben, hat den Zettel mitzunehmen. Also beim Einkaufen, in der Bar, im Restaurant.. denn es könnte immer die Steuerfahndung am Eingang warten und dich kontrollieren… was natürlich selten vorkommt… was dafür aber vorkommt, ist die Zettelwirtschaft. Einkaufszettel überall. im Geldbeutel, den Einkaufstüten, Jackentaschen…

Also öfter mal die Taschen ausleeren und nachdenken 😉

Happy Vorweihnachtszeit / Ausmistzeit / Klar-Schiff-Mach-Zeit auch in (Jacken)Taschen und co. :p

Ein Mittag in Loreto

Loreto. Ein magischer Ort. Ich hatte es schon geahnt, bevor ich wirklich da war und das hat 2 Gründe. Eines Tages stieg ich in einen Zug von Ancona nach Venedig. Das heisst, wir wollten einsteigen.. aber er kam erstmal nicht. Nach viel casino am Bahnsteig, hörte ich zum ersten Mal von Loreto, als ein Bahnangestellter meine Hand tätschelte und sagte „gnädige Frau, ihr Zug wird kommen und sogar bald, er macht grad in Loreto halt und holt sich noch schnell den Segen der Madonna ab“ … ich war verwirrt, wollte nach Venedig -und zwar schnell- und sagte nur, dass ich von Loreto noch nie gehört habe, aber sehr glücklich darüber bin, dass der Zug doch noch kommt. Der Bahnangestellte hatte mich in diesem Moment für die größte Kulturbanausin in den Marken gehalten…

Meine zweite Begegnung mit Loreto hatte ich auf der Autobahn einige Monate später.. (noch im Zug hatte ich mir vorgenommen dieses Loreto ausfindig zu machen und es zu besuchen, oder mir zumindest vorerst mal den Namen der Stadt zu merken) von der Autobahn aus sah ich es dann. .. Leuchtend in der Sonne! Stolz! und doch bescheiden.. erhoben auf einem lieblichen Berg.. die Kathedrale leuchtete buchstäblich .. ich passierte das Schild auf der Autobahn, das auf Loreto verwies, und da war mir klar, dass ich soeben besagten Ort gesehen habe, mit dem ich am Bahnhof von Ancona meine erste „Begegnung“ hatte… ich setzte Loreto sofort auf meine ‚innere Ausflugsliste‘ und dann kam der Ausflug.

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Goodbye durchs Fenster, heute kein Leuchten.. ist ja auch spät jetzt..

 

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Atemberaubende Weitsicht

Loreto. Also. Es ist Anfang Juli, die Sonne brennt vom Himmel, ein wunderschöner Tag. Die Anfahrt ist unschuldig, wenn man überland kommt.. man bewegt sich auf wunderschönen Landstraßen, die ein wenig der Toskanalandschaft gleichen und der Winkel alleine, in dem die Sonne scheint, macht mich schon glücklich. Schon von weitem strahlt dieser Ort! Aber jetzt mal der Reihe nach.. nach einem kleinen Spaziergang ausserhalb der Stadtmauern mit unglaublich schönem Ausblick, schreite ich durch das große Tor, nur um einen noch schöneren Ausblick vorzufinden. Aber zwei Dinge irritieren mich, erstmal das Flugzeug, das den Anblick verschandelt und dann, als ich mich umdrehe.. eine Ansammlung von Ständen mit Kreuzen und Statuen, die mich augenblicklich verstehen lassen, dass hier was falsch läuft :p

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Ist Loreto jetzt wegen Maria berühmt oder wegen Flugzeugen?!

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Bin ja eher so der Meertyp, aber dieser Berg hat ’s mir angetan..

Wer sich dazu entscheidet, in die Basilika einzutreten und wie ich ohne Vorbereitung Orte besucht (manch einer nennt es naiv, mir jedoch macht es Spaß) der wird dann auch verstehen, was da los ist. Die herrschaftliche leuchtende Basilika, von der ich ja jetzt schon öfter gehört hatte, wurde um ein Häuschen herum gebaut und zwar um kein geringeres als das der Maria.. ja DER Maria – die, nach der ihr alle benannt seid :p – Sie wird auch Mutter Gottes genannt oder Maria von Nazareth – DIE Jungfrau. Das macht Loreto also zum wichtigsten Wallfahrtsort Italiens (dachtet ihr auch, dass es Rom wäre …?!)

Das Haus in dem Jesus‘ Mutter in Nazareth aufgewachsen ist steht also in Loreto, Marken, Italien. Wie es da hinkam? Offensichtlich über Griechenland, Kroatien und zwar mit dem Schiff… Wer mehr erfahren will schaue sich diese Seite an, die ich gefunden habe, aber mit der ich nichts zu tun habe. 

 

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Auf dem Weg zur Basilika, rechter Hand befinden sich alle Souvenirstände .. 

 

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Schön hier, wa?

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Beste Aussicht

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Der wunderschöne Vorplatz der Basilika plus Frontansicht 😉

 

Man betritt also die Kirche und hinten am Ende des Schiffs steuert man auf Marias Haus zu. Quasi ein Zweizimmerhaus. In Nazareth war es an einer Mauer gebaut (auch diese wird noch heute verehrt) deshalb hat das Haus nur 3 Wände. An das Innere kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, denn ich war erstaunt von den vielen Menschen, die darin beteten, knieten und auf Wunder hofften oder einfach nur staunend da standen und sich fragten, was Marias Haus hier eigentlich macht.

 

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Fotografieren verboten?

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Malerei, Marmor, Gold, das Übliche..

Ich weiss es, meine Freunde sagen es mir andauernd, ich mache zu viele Fotos. Überall. In der Basilika habe ich mich mal zurückgehalten.. deswegen, wenn ihr Marias Haus sehen wollt, dann fahrt hin 😉 dasselbe gilt für die schöne Altstadt Loretos – definitiv ein Ausflug wert! Was ich euch allerdings nicht vorenthalten kann, ist dieses Schild, das in der Nähe des Eingangs der Kirche zu finden war. Darauf steht: „Jammern verboten: Hör auf zu klagen und fang an dein Leben zum Besseren zu verändern!“

Wenn das mal nicht ein super Tipp der Kirche ist 🙂

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Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Happy weekend und geniesst den Ausblick auf den Monte Conero und das Meer:

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Ausblick auf unseren Hausberg: Monte Conero

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Meer 

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mehr Meer, kann nie schaden..

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Kathedrale Rückansicht, sie genießt den obigen Ausblick 

 

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Monte Conero, Meer und Uschi, noch ungebräunt aber trotzdem glücklich 😉

Wenn ihr in der Nähe seid, dann besucht auf jeden Fall auch gleich noch Sirolo. Dort gibt es unglaublich leckeres Eis und den vielleicht schönsten Ausblick der Gegend..

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Monte Conero von Sirolo aus und die herrliche Natur drumherum

 

Wort des Tages: casino = Chaos

Die marchigianischen Leckereien

So recht schlau bin ich noch nicht aus ihnen geworden, vom Hörensagen (HerzlichwillkomenbeidenallsseitsbliebtenVorurteilen) sind die „Marchigiani“ ein verschlossenes Grüppchen und im Vergleich zu anderen „Meeresmenschen“ seien die Leute aus meinem Ort wohl besonders still und eigenbrötlerisch.. Nun ja.. ich kann nur sagen, ein Stück weit kann ich das bisher bestätigen, aber ich hatte auch das Glück, eine kleine Meeresfamilie zu finden und tolle Menschen kennenzulernen, die mir die Kultur hier näher bringen. Wo fängt man da am besten an? Richtig, beim Essen: deshalb möchte ich euch hier nun kurz mit Bildern der kulinarischen Köstlichkeiten überschütten, mit denen ich letzte Woche im Casbah, meinem „Meereswohnzimmer“ verköstigt wurde und dann stelle ich euch noch einen marchegianischen Nachtisch vor.

Die Sughetti:

Nomnomnom, süße Sughetti

Ein dolce aus Maismehl, Nüssen und Butter, quasi eine süße, leckere Polenta.

And now the real deal :p

 

Dienstag: Kichererbsensuppe mit geilem Blätterteigteil und Ofenkartoffeln mit Zwiebeln

Meerespasta mit diversen Meeresfrüchten, dazu Schnecken (Schüssel)

Donnerstag: Leckerste Tintenfischpasta (mein neuer Lieblingsfisch und Meeresleibgericht!)

Mein Wohlfühlplatz

Aperitivo gefällig?

…aber klar doch, inklusive bester Aussicht

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Nach dem Tintenfisch sind die Vongole auf Platz 2

 

Frittura, typisch hier am Meer als 2. Gang

Meeresfrüchte all day everyday

Was die Anderen nicht sehen / Potpourri

Der hier geht raus an alle, die folgendes, oder zumindest Ähnliches zu mir gesagt haben: „Toll, dass du das machst, ich bewundere dich dafür“, „Krass, ich könnte das nie“, „Ich würde nie alles zurücklassen“, „Ich wusste immer, dass du dorthin gehörst“

Nach fast vier Monaten schaffe ich es das erste Mal tief durchzuatmen. Dieser t i e f e Atemzug rüttelt mich ein wenig auf. Alles kommt ins Wanken, ich zum Nachdenken und eine kurze kleine Unsicherheit entsteht. Wenn nicht alles fest und sicher ist, du auf deiner Terrasse sitzt, in den Abendhimmel starrst und die Welt umarmen könntest, dir jedoch bewusst ist, dass du da grad alleine sitzt und diesen Moment nicht mit deinen Liebsten teilst, dann fragst du dich vielleicht schon mal kurz „Was zum Geier mach‘ ich hier eigentlich?!?!“

Nur, weil mir irgend’was teilweise ungreifbares in Italien besser gefällt, lasse ich Freunde und Familie zurück? Nur, weil öfter die Sonne scheint, der Wein irgendwie besser schmeckt und das Leben dolce ist? MMMMMH. Ist es denn so dolce?

Ja und Nein. Denn wenn du 30 Jahre an einem Ort gelebt hast, deine Cousins dort Nachwuchs bekommen, deine Freunde dort umziehen, deine Eltern dort schöne Sonntagsausflüge machen, deine Leute dort auch eine Pasta erfunden haben, die da Spätzle heisst und du dich 30 Jahre an ‚was gewöhnt hast, dann braucht es viel Kraft einfach mal ALLES ANDERS zu machen.

Ich denke jeder kennt das Gefühl, im eigenen Dorf schlaftrunken zu funktionieren ohne überlegen zu müssen, wo und was und wie man machen muss. Einfach, weil man es schon immer so macht. Deswegen ist es auch für jemanden, der blind wird, eindeutig einfacher, zuhause damit klar zu kommen, wo alles gewohnt ist, als an irgend einem anderen Ort.

Hier muss ich also vor jedem Schritt überlegen. Überall lauern Fallen. Kann ich die kleinen Tintenfische jetzt mit Pasta kombinieren oder gehe ich dann als Banause durch? Kann ich mir später was im Supermarkt kaufen oder ist dann die 5stündige Mittagspause? Wann hat nochmal das Amt offen? Wann muss ich mein Auto wegparken? Und wie ist nochmal mein Nachname? Richtig. Es kommen Herausforderungen auf einen zu, von denen man vorher nicht einmal geglaubt hat, dass sie existieren und dann sind sie einfach da. Alleine im letzten Monat wurde mein Nachname 4 Mal verschieden falsch geschrieben (like what?!?!?) aber es ist ja nur ein Nachname..

Während ich also jetzt, wenn ich in meinem gewohnten Umfeld wäre, mit den Mädels zum endlosen Sonntagsbrunch gehen würde, mit den Eltern auf die Alb, mit Tanja umziehen oder Paddys Baby kennenlernen würde… sitze ich hier und frage mich: Was zum Geier?! Aber sehen wir es mal so. Jeder Neuanfang ist holprig, Freundschaften zu knüpfen braucht Zeit, bis der Mensch das alte Gewohnheitstier sich umgewöhnt braucht halt auch einfach Zeit, und ob ich jetzt „Zähne putze“ wie das die Deutschen tun oder sie im italienischen Stil „wasche“ – am Ende sind sie sauber. Es ist also wie immer alles mal wieder nur Ansichtssache. Habe ich also vor einer halben Stunde 2 Tränchen verdrückt, weil mir alles ein bisschen zu viel war, merke ich, wie ich diese kleinen reinigenden Tränchen brauche, um zu reflektieren und zu wissen, dass alles gut ist.

Ich richte mich also auf, wische die Tränchen weg und öffne mein Fenster, ich höre die Wellen des Meeres und wundersam -wie immer- ist sofort alles ok. Auch wenn du mal denkst, dass du alleine bist, du bist es nicht!

An diesem Punkt möchte ich kurz etwas ansprechen, das ich für sehr wichtig halte. Im täglichen Strudel halten wir sowieso viel zu wenig inne, reflektieren zu wenig und ziehen zu schnell Schlüsse. Meistens begegnen wir ja anderen Personen und blenden ihre Geschichte aus. Ich möchte mit diesem Post ein wenig sensibilisieren und uns alle mal kurz anhalten lassen. Es gibt so viele wunderbare Ansichtsweisen und verschiedene Wege zum selben Ziel zu kommen. Nur weil wir einen Weg kennen, der richtig ist oder es zumindest zu sein scheint, heisst es nicht, dass es nicht noch tausend andere Wege gibt, die vielleicht einfacher, vielleicht schwieriger, aber auch zielführend sind. Wenn wir immer an dem was wir kennen festhalten, dann kommen wir durchs Leben, sind aber vielleicht engstirnig und wachsen nicht. Es ist okay, nicht jeder muss immer wachsen und manch einer ist vielleicht sogar gerne engstirnig, weil es nunmal einfach ist.

Detto questo. Wer meine kleine Reise ein wenig verfolgt hat, der hat mitbekommen, wie viele Stolpersteine sich mir in den Weg gestellt haben und wie viele „Abenteuer“ ich in den letzten Monaten erlebt habe. Das alles, obwohl ich mich nur ca. 1000km von meinem Geburtsort wegbewegt habe, die Sprache beherrsche und vor Ankunft schon einen Job vor Ort hatte. Außerdem, und das ist bestimmt der wichtigste Fakt, habe ich mich von einem sicheren Ort wegbewegt und zwar freiwillig.

Das Menschen wandern, genauso wie sich Gesteinsschichten bewegen, ist eine alte Geschichte.. die älteste.. doch wir vergessen das oft. Wir vergessen oft, dass Grenzen auf Papier gemalte Linien sind, an die wir glauben und das tun wir auch, weil wir innerhalb der Linien geboren sind, die uns ein schönes Leben schenken .. dass heisst aber nicht, dass wir die Augen zu verschlossen lassen sollten, denn dem einen geht es immer nur so gut, wie es allen anderen geht. Ja, uns geht es gut, weil es jemand anderem schlecht geht.

Wenn jemand seine Heimat zurück lässt, dann oft wegen Krieg, Bedrohung und anderen schrecklichen Sachen, wie nicht das Glück zu haben, sein zu dürfen was man ist oder zu sagen was man möchte. Viele Menschen verlassen ihre gewohnte Umgebung aus diesen schwerwiegenden Gründen und nehmen viel Veränderung auf sich, die viel Kraft kostet. Sie kommen sich alleine, verloren, und wie Kinder vor, weil alles was sie vorfinden neu ist. Dazu kommt, dass sie vielleicht traumarisiert sind, von der Reise oder von dem, was sie davor erlebt haben. Das letzte was sie brauchen ist Engstirnigkeit. Jemand der einen Ort verlässt tut das selten, weil er jemand anderem etwas wegnehmen möchte, man tut es, um Frieden zu finden. Frieden egal welcher Art!

Deshalb bitte ich darum, wenn mal wieder eine Debatte tobt, wie sie es so oft tut. Vor allem in der immer weiter rechtsrückenden europäischen Politik. Haltet inne, hinterfragt die Motive der Argumentierenden und bitte seid menschlich und denkt an die Geschichten der Menschen und seid euch eures eigenen Glückes öfter bewusst ❤

Predigt Ende.

An dieser Stelle, möchte ich denen, die tief in meinem Herzen sind, die wissen, dass ich sie nicht zurück gelassen habe, sondern dass ich unser gemeinsames Zuhause erweitert habe, danken. Ohne eure Unterstützung wäre ich nicht der Mensch, der ich bin und vermutlich auch nicht hier. Ich bin sehr dankbar, so tolle, bunte, großherzige Menschen in meinem Leben zu haben! Love to you.

Film Tipp: vielleicht habt ihr ja Lust den Film „Terraferma“ zu schauen. Schönen Restsonntag euch allen!

Song des Tages:

Ey Mann, wo ist mein Auto?!? Oder: A caccia della MAZDA

Diese Geschichte gehört in die Kategorie Stolpersteine oder in die Kategorie Comedy, die ich vielleicht so langsam eröffnen sollte. Als ich hier mit dem Auto ankam und zum ersten Mal geparkt habe, hat mich Emanuele am Arm gepackt, zu zwei Schildern gezogen und mir sehr freundlich und sehr bestimmt gesagt: „ricordati, du musst immer auf das Schild am Anfang der Straße schauen“, denn in meinem kleinen Ort wird jede Nacht eine andere Straße sauber gemacht, dazu müssen die Autos weg und Dienstags ist auch Markt, da müssen sie weg, damit aufgebaut werden kann…

Immer wenn ich parke, schaue ich also auf das Schild am Anfang der Straße und mache mir eine geistige Notiz, wie lange ich da stehen kann, bis ich umparken muss. Ja, ich weiss, ihr ahnt es schon…

Ich habe ein wunderschönes Wochenende in der Toscana verbracht, mit meinen Liebsten, bin Sonntag abends erschöpft und müde zuhause angekommen, musste noch einiges organisieren, am Montag arbeiten und umziehen. Sonntags war ich froh, einen Parkplatz direkt hinterm Haus gefunden zu haben.. in dem Teil der Straße, wo man keine Strafe fürs Längerparken bekommt.. Dann bin ich schlafen, arbeiten, schlafen, arbeiten gegangen und am Dienstag komme ich nach der Mittagspause vom Meer zurück, sehe dass sie gerade den Markt abbauen und mir fällt etwas wichtiges ein. ÄÄÄÄÄÄÄHHHMMMMMM, scheißßßße, ich habe hinterm Haus geparkt. Offensichtlich steht da jetzt ein Marktstand und ich frage mich: „Ey Mann, wo ist mein Auto?!?“ Diese Frage muss ich jedoch zurückstellen, weil meine Mittagspause zu Ende ist. Nach der Arbeit spaziere ich also mehr oder weniger besorgt zur örtlichen Polizeistation, um nachzufragen, ob sie denn Hinweise auf den Verbleib meines Auto haben.. Netterweise rufen sie den örtlichen Abschleppdienst an, in dessen Werkstatt sie den Mazda ausfindig machen. 3 Polizeibeamte kümmern sich abwechselnd um mich, machen zahlreiche Kopien meines Ausweises, fragen wo ich herkomme, was ich hier mache, ob ich alleine bin, Ferien mache usw. natürlich bekomme ich auch umgehend meinen nächsten Strafzettel -mit den obligatorischen 28,70€- ausgestellt und da ich alleine und zu Fuß auf der Polizeistation angetanzt bin, eine kostenlose Fahrt in Begleitung im Polizeiauto zum Abschleppdienst! 🙂

Hätte ich das also auch erledigt, einmal Polizeiauto fahren ✅

Schön – Die Marken aus dem Polizeiauto

Auf der Fahrt habe ich natürlich mit den Polizisten gequatscht und mir auch kurz überlegt, sie nach einem Selfie zu fragen, das war dann aber doch zu heikel weil: #Pistolen. Auf jeden Fall haben wir uns gut unterhalten, der Polizist meinte nur, dass es hoffentlich das letzte Mal ist, dass ich Polizeiauto fahre, als ich ganz aufgeregt sagte „Ich bin noch nie Polizeiauto gefahren“ – die Polizistin entgegnete nur genervt, dass sie normalerweise auch keine solche Nettigkeitsfahrten im Programm haben.

Danke für den Bringdienst!

Eccola

Kopie hiervon, Kopie davon, auf jeden Fall bin ich stadtbekannt

Ich habe meine Familie und Freunde bereits darauf hingewiesen mich Montag abends freundlich ans umparken zu erinnern, außerdem habe ich einen Parkwecker eingerichtet und einen Straßenabschnitt gefunden, an dem man niemals abgeschleppt wird. 85€ für eine Abenteuerfahrt im Polizeiauto (also eigentlich fürs Abschleppen) sind ein bisschen überteuert aber #manlebtnureinmal

Der Tag, an dem ich crucca genannt wurde

Es war letzte Woche, ich habe mich bereits wieder abgeregt. Aber ich war auf 180. Überrumpelt, überfahren.. so etwas passiert immer dann, wenn man es nicht erwartet…

Ich war also im Büro, am Arbeiten, ganz normal, alles wie immer. Dann kam eine Kollegin aus dem Büro in Mailand zu uns und wiederum eine andere Kollegin fragte die Büromanagerin, wer diese Kollegin sei. Daraufhin kam die Mailändern in unser Büro, das wir zwei Deutschen mit der italienischen Büromanagerin teilen und sie stellte uns folgendermaßen vor: „Das sind unsere zwei Krautköpfe“

Ich dachte erst, ich höre nicht recht und in den darauffolgenden Sekunden haben sich einige Szenarien in meinem Kopf abgespielt.

  • Soll ich sofort was sagen? Aber dazu war ich zu überrumpelt..leider
  • Soll ich ihr morgen eine Dose Sauerkraut auf den Tisch stellen
  • Soll ich zum Chef gehen und es ansprechen
  • Soll ich ab morgen jeden Tag ein anderes Klischee bedienen und erst mit Socken in den Sandalen kommen, dann im Dirndl und so weiter

 

Ich war sauer und beleidigt und wusste nichts mit diesen Gefühlen anzufangen. Vor allem, weil dieser Moment so unerwartet kam. Nie hätte ich im eigentlich professionellen Arbeitsumfeld so etwas erwartet. Ich wäre am liebsten aufgestanden und rausgestürmt. Ich sitze dieser Frau Tag für Tag acht Stunden gegenüber, ein Meter zwischen uns. Ich habe in diesem Moment jeglichen Respekt verloren, aber erstmal nichts gemacht. Später habe ich mich mit Freunden, der Kollegin, die es nicht gehört hat und Familie über diesen Zwischenfall unterhalten. Es gab verschiedene Meinungen darüber, was man denn unternehmen könnte. Ich muss ehrlich sagen, bisher habe ich nichts unternommen, weil mir in dem ganzen Stress hier die Kraft zur Klärung gefehlt hat. Habe mir aber vorgenommen, dass ich sie -wenn so etwas ähnliches jemals wieder vorkommt- direkt zur Rede stellen werde. Wer hat ähnliche Erfahrungen? Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Bin gespannt!