Eine Woche im Leben der Jen

Oder: Hab‘ ich eigentlich verarsch‘ mich auf der Stirn stehen?!

2018-08-09 20.12.53

Mit der richtigen Lebenseinstellung kann dir keiner was

 

 

Sagen wir mal, diese Woche fing diesen Sonntag an, so, wie es schon in der Bibel stand. (Denn am Samstag war ich mal wieder mit umziehen beschäftigt (das 5. Mal seit dem 15.6)

Ein Sonntag am Meer

Am Sonntag gehe ich also ans Meer, nicht an meines, nein, an das mit Sand im Nachbarort – nach dem Stress am Samstag beschließe ich auszuschlafen, im Bett rumzulümmeln und dann gemütlich an den Strand zu gehen. Um halb 3 bin ich nach einer längeren Parkplatzsuche da.. Nur meine Freunde nicht (Ich hatte erwähnt, dass ich meinen Rhythmus noch nicht gefunden habe…) Die Leute, die mir ein Ragazzo, den ich durch Airbnb kennengelernt habe, vorgestellt hat, waren alle beim Pranzo mit ihren Eltern, Omas, Geschwistern, nur eine war am Strand, alleine..ohne Schirm. Da diese Freundesgruppe sich seit Kindertagen kennt und auch den Besitzer des Strandchalets, das die Liegestühle und Schirme vermietet, zum Freundeskreis zählt, wurde mir gesagt, dass ich mit unter ihren übergroßen Freundesschirm kommen kann.. nur wusste ich nicht, welcher es war, und alle waren weg 🙂 Notgedrungen -man weiss sich ja zu helfen- habe ich mich in der ersten Reihe direkt diagonal unter einem Paddelboot positioniert, so, dass mein Kopf im Schatten des Bootes weilte. Nun ja, ein Schelm wer böses denkt, aus weisser Voraussicht habe ich mich natürlich DIAGONAL hingelegt, so, dass man mich von der Seite aus sieht und kein Boot über mich schiebt. Ich habe also das Meer, mein Buch, die Sonne, den Ausblick auf Fussballspielende Italiener in knappen Speedos usw. genossen und wurde quasi sogar angeflirtet, als ich von eben diesen Jungs, abgeschossen wurde. Doch, natürlich blieb es nicht bei einem lässigen Sonntag Nachmittag, natürlich wollte dringend jemand paddeln, und ei da daus! Natürlich musste mein Kopf dran glauben. Mittlerweile waren dafür meine Bekannten eingetrudelt (darunter ein Arzt!) und die kickenden Jungs meinten „Oh, nein, jetzt haben wir dich endgültig vertrieben“ – Es war eher das Paddelboot, aber das habe ich lieber für mich behalten und ihnen erzählt, dass ich mich zu meinen Freunden begebe. Mit leichtem Kopfschmerz und nach ca. 4 Bädern im wohlig warmen Marken-Meer habe ich mich also Nachhause (in mein 5. Zuhause) begeben und den Sonntag Sonntag sein lassen.

 

Ein glühender Montag & ein heißer Dienstag

Wer hätte auch gedacht, dass die Kopfnuss nicht schon der Höhepunkt der Woche war, aber pünktlich mit dem Espresso am Montag morgen, hat sich mein Handy überlegt, sich zu verabschieden. Ich schreibe also nichtsahnend eine Whatsapp, das Handy geht aus und wird UNGLAUBLICH HEISS – es steigert und steigert sich, so, dass ich mich nicht traue, dieses verrückte Medium zuhause zu lassen, sondern es glühend mit auf die Arbeit schleppe… (zumindest habe ich somit einen Hausbrand erfolgreich verhindert.!)

Pah, im Juni war ich ohne Internet, da ist doch ein Leben ohne Handy ein Klacks.. Ich bin ja nur im Ausland und kenne hier 2 Personen besser und habe eine paar Bekannte …nun ja, keinen kann ich jetzt mehr erreichen, weil mein Handy nichts mehr macht und alle Nummern, Daten usw. mit ins Nirvana genommen hat. Wenn ich nicht eine Wohnung für nächste Woche suchen müsste und dazu telefonieren sollte, dann würde ich auch diese Herausforderung wie immer belächeln.. ich tu es trotzdem.. mal schauen wo es mich hinverschlägt.

2018-08-08 19.21.08

Wuuusaa, Füße ins Meer und ALLES ist gut

Es ist also Montag, ich bin handylos und habe im Hinterkopf, dass meine deutsche Versicherung mir schon Strafen androht, weil ich ein bestimmtes Formular einfach nicht einreiche..(Am Vorderkopf habe ich eine Beule!) um diesen Misstand zu beheben, habe ich schon letzte Woche meinen Chef nach einem Kontakt zur italienischen Versicherung gefragt… er meinte er fragt mal nach und meldet sich..als ich ein Woche später nachfrage, was sich so ergeben hat, erwidert er „ach, wurde dir das noch nicht gesagt“ &%$&%“$ und der Spießrutenlauf ging weiter…….. natürlich muss ich aufs Amt dafür, ich hatte dieses Amt in weißer Voraussicht schon einmal gegoogelt und ‚rausgefunden, dass es Dienstags von 10-12 Uhr offen hat 🙂 (muss ich mehr sagen?!) Ich informiere also den Chef höflich und steifel bei 33 Grad im Schatten zum Amt, wo der blinde Portier schläft und mich nachdem ich ihn angestupst hab‘ einfach hinter den Schalter holt, damit ich selbst mit der Uschi, die die Formulare macht, telefonieren kann.. Ihr erster Satz ist natürlich, „Signora, für dieses Formular bin ich nicht zuständig, dafür müssen Sie zum anderen Amt“ 🙂 … Für so einen ernüchternden, schweisstreibenden Spaziergang opfert man doch äußerst gerne seine Mittagspause. Der nette Portier, der dieses Amt so sehr liebt, wie ich, lässt mich direkt noch beim anderen Amt anrufen… wieder spreche ich mit einer netten Dame, die mich anschreit und wissen will „WER braucht dieses Formulaaaaaaaaaar?“ – Als ich mir langsam denke, „ich sicher nicht“ aber höflich sage:  „meine Versicherung, Signora“ und sie nach einem E-Mail Kontakt bitte, um mir das Formular doch online zukommen zu lassen, nachdem wir herausgefunden haben, dass auch sie nur dann arbeitet wenn alle anderen auch arbeiten nur viel kürzer, legt die nette Dame einfach auf!

Wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn ich nach einem Monat Jagd, das Formular einfach per Email bekommen hätte, so, dass ich es direkt weiterleiten können hätte, da ich ja kein Handy mehr habe, um es einzuscannen und dann abzuschicken…. Stay tuned – wir werden uns ja nun glücklicherweise noch persönlich kennenlernen. Die Mittagspause ist halb rum, ich ein bisschen brauner und ich renne zum Auto, damit ich noch ‚was zwischen die Kiemen bekomme………………………………. Falls ihr das Wort MULTA noch nicht kennt, es ist kein schönes Wort, und ich wünsche euch, dass ihr es nicht lesen müsst. STRAFZETTEL- auch noch ein Strafzettel. Parken ohne Parkscheibe, in der Strasse, in der ich immer ohne Parkscheibe parke – Ha! Doch bisher im richtigen Teil, im hinteren Teil darf man nämlich nur 1 h mit Parkscheibe parken (%$&%$§%§“$%!!! Nur zur Info – ein Stündchen ohne Scheibe kostet in Italien günstige 28,70€ – aber nur wenn ihr sofort bezahlt, nach 5 Tagen kostet es dann sagenhafte 41€ – faul sein is also och nüscht!

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La famosa MULTA

 

Es war erst Dienstag und jetzt ist erst Donnerstag, zwischendurch kam noch ein Ersatzhandy, dass einen Tag und eine Nacht auf Netzsuche war und auf dem Whatsapp nur manchmal funktioniert und natürlich nur im wlan; die Suche nach der Nummer meiner Kollegin, bei der ich gerade netterweise schlafen darf, da sie im Urlaub ist.. und der ich unbedingt irgendwie vermitteln musste, dass mein Handy kaputt ist, ein gehackter Facebook Account, sowie ein gesperrtes/gehacktes Instagram Konto (Wenn jemand weiss, wie man sich da wieder Zugriff verschaffen kann, wenn Passwort und Emailadresse geändert wurden und der Support nicht antwortet – bitte melden); eine Wohnungssuche über neu gefundene Bekannte aus dem Pizzaladen gegenüber, bei der ich spontan zur Besichtigung in einer Wohnung von einem Opa gelandet bin, der im April gestorben ist und ich mir nicht sicher bin, ob ich für überteuerte 350€ Miete / Woche (Es ist die Ferragosto-Haupturlaubswoche-in Italien – zum Thema: „Wie Touristen abgezogen werden“ später hier mehr) auf seiner Matratze schlafen würde. Die Tage verfliegen fröhlich und jeden Tag bietet sich eine Herausforderung – heute Abend war es die Jagd nach einem leichten Abendessen, ich dachte, nach 8,5 Stunden Beipackzettel übersetzen und der ausführlichen Lektüre über Blutgerinnsel, wäre ein leichter Lunch bei Sonnenuntergang doch ein schönes Ende für den Tag….

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Es fing so schön an…

 

Immer wenn ich sehr einfach denke, zum Beispiel so:

Jen geht in eine Laden, sucht sich einige Marche-typische Köstlichkeiten wie Olive all’Ascolana, und frittiertes Gemüse, Bohnen und vielleicht 1-3 Curry-Chickenwings aus, bei denen die Uschi meinte “ ma, molto buono!!!!“ – Ich möchte 3, sie tut 6 rein… schon da hätte ich stutzig werden können, doch positiv wie ich bin, denke ich, sie hat die Zahl, die ich gesagt habe, nicht gehört. Ich frage sie noch vor meiner Bestellung, ob ich mit Karte bezahlen kann, da ich noch 7€ in cash dabei habe.. sie sagt, „kein Problem“ und ich suche mir Tomaten, Bohnen, Aubergine und Zucchini aus… sie sieht meine Karte und meint „ja nee, die nicht“. Ich laufe fröhlich zur Bank, denn ich komme gerade vom Meer und bin gut drauf, ausserdem tut mir nach 8,5 h sitzen der Spaziergang sehr gut… Die Bank will meine Karte nicht, ich erinnere mich, meine sie wollte auch die Karte meiner Eltern nicht, obwohl sie meine schon einmal akzeptiert hat. Ich denke nichts böses und gehe zur nächsten Bank, auch die nimmt sie nicht. Nach dem Besuch der dritten Bank und mit zunehmendem Hungergefühl gehe ich zur Signora zurück, erzähle ihr vom Kartenproblem, gebe ihr 8,50€ (habe noch 1,50€ in meiner unergründlichen Handtasche gefunden) und sage „ich kann was dalassen oder den Rest morgen bringen“. Sie akzeptiert, wünscht mir „Buona Cena“ und ich mache mich auf, nachhause. Es ist bereits am dunkel werden, und alles hat wieder viel länger gedauert- es geht einfach nicht voran… ich komme im Dunklen Zuhause an, hole mir noch schnell was zum Anziehen für morgen aus dem Kofferraum, gehe rein, nachdem ich ewig gebraucht habe um die Türe zu öffnen, weil der Schlüssel geklemmt hat, setze mich endlich alleine an den großen Tisch (ja, alleine essen ist keine Freude) – denke an meine WG-Jungs, beiße in einen Chickenwing, verspeisse die gefüllten Oliven, bin kurz zufrieden, einen kleinen Moment, bis ich in den zweiten Wing beiße und mir ein Wurm entgegenkommt. Mehr sage ich nicht mehr zu diesem Thema.

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Olive all’Ascolana

Nur, man braucht nicht viel zum Glücklichsein – Sonnenschein und Meer reichen vollkommen aus.

Ich sitze hier, mit einem Kräuterlikör und schreibe diese Zeilen, ich kann eine tiefe Zufriedenheit spüren – aber ich glaube, die 60 cent werde ich der Signora niemals bringen. Es ist Donnerstag Abend – die Woche gerade über der Hälfte geschwappt, wer weiss, was sie noch bringt.. drückt mir die Daumen, dass ich heute Nacht nicht kotzen muss.

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Auch wenn das Meer mal traurig ist – es ist spitze 🙂

 

Wörter aus dem Text:

La dolce vita = Das süße Leben

Ragazzo = Junge, Typ

Pranzo = Mittagessen

Signora = Frau, Madame 😉

Multa = Strafzettel

Ferragosto = Feiertag am 15. August

Blutgerinnsel = coagulo di sangue

Olive all’Ascolana = Oliven nach ascolanischer Art (Aus der Stadt Ascoli Piceno)

molto buono = sehr lecker

Buona Cena = Guten Appetit / Gutes Abendessen (Cena=Abendessen)

fico ≠ figa

Schauplatz: Eine Bar in Venedig

Tathergang: Essensbestellung

Ende der Geschichte: Die ganze Bar bricht in schallendes Gelächter aus

Jawoll, auch diese Wortkombination hat es in sich: Die Bar, in der sich diese Szene abspielte, ist abseits vom Touri-Gedränge gelegen und nur von Venezianern besucht. Deshalb war es auch besonders lustig, als ich dran war und laut über den Tresen rief: „Vorrei il panino con la figa“ – „Ich hätte gerne das Brötchen mit der Muschi“ …erst die komplette Schlange, alle hinter der Theke und schließlich noch alle, die es sich in der Bar gemütlich gemacht hatten, hatten ihren Spaß. Schnell wurde mir von meinen amüsierten Freundinnen erklärt, dass die Feige, die ich eigentlich haben wollte ‚il fico‘ ist. Ja, man bestellt schneller als man denken kann eine Muschi. Vor allem, da die italienische Feige einen männlichen Artikel hat und auf ‚o‘ endet, man in seinem Kopf aber eventuell noch deutsch denkt und deswegen meint, dass auch im Italienischen die Feige weiblich ist und somit auf ‚a‘ enden müsste ;). Ich habe erstmal für eine kleine Weile keine Brötchen mit Feigen mehr bestellt :p

il fico = die Feige

la figa = die Muschi

 

pompieri ≠ pompini

Das hier ist so peinlich, dass nicht mal mehr gelacht wurde sondern einfach darüber hinweg gesehen. Trotzdem ist es wichtig diese Wortkombi zu erwähnen:

Stell‘ dir vor, du bist bei deinem Großonkel in Italien zu Gast und hast gerade erst Italienisch gelernt – aber hast es halt noch nicht so super toll drauf. Ich habe meinem Onkel vom Gasalarm in meinem Haus erzählt, wie wir ein Loch in der Hauptgasleitung hatten und darauf hin die Feuerwehr angerückt ist, die Straße gesperrt hat, das Haus evakuiert hat usw… nur leider ist mir ein gravierender Fehler unterlaufen, denn anstatt das richtige Wort für Feuerwehr habe ich leider das Wort für Blowjob benutzt. Jaja, jeder weiß, wenn man eine Sprache von Muttersprachler lernt, dann bekommt man erstmal alle Schimpfworte und Schweinereien beigebracht… das kann einem auch zum Verhängnis werden… am Mittagstisch… beim 65-jährigen Großonkel…den man zum ersten Mal besucht…

Naja, er schreibt mir immer Oster- und Weihnachtskarten – Glück gehabt 😉

i pompieri = Die Feuerwehr

il pompino (Singular), i pompini (Plural) = der Blowjob

 

spazzatura ≠ spazzolino

Du willst sagen, dass du den Müll mit raus nimmst, erklärst deiner Mitbewohnerin aber stattdessen, dass du die Zahnbürste vor die Haustüre stellst. Jap, genau, sie muss denken, dass du durchgedreht bist. Manchmal hören sich Worte aber auch echt ähnlich an und im Eifer des Gefechts oder einfach morgens nach dem Aufstehen passieren dann eben solche lustigen Szenen. Deshalb:

la spazzatura = der Müll

lo spazzolino = die Zahnbürste


Wort zu la dolce vitaliana

Du gehst in ein dir noch fremdes Land und deine Welt vergrößert sich nicht nur, sondern sie verdoppelt sich – mindestens – wenn sie sich nicht vertausendfacht. Plötzlich hast du nicht nur noch eine Sprache, in der du dich ausdrücken kannst, nicht mehr nur eine Art, auf die du denken, leben und fühlen kannst.. Dir tun sich neue Blickwinkel und Ansichten auf und du kannst nun zwischen viel mehr Standpunkten wählen, hast mehrere Auswahlmöglichkeiten und Sichtweisen. Es scheint fast so, als würde deine Welt mehr Farben bekommen: Von schwarz-weiß zu Multicolor.

Kurz gesagt: Wenn du dich dazu entscheidest, dir noch eine Welt zu öffnen, dann kannst du nur gewinnen.

Die Erfahrung in einem anderen Land, lässt dich wachsen und deine Werte, Erziehung und Kultur hinterfragen. Diesen berühmten Blick über den Tellerrand sollte jeder einmal für längere Zeit genießen.

Genau das habe ich getan und bin dafür unendlich dankbar. Auf diesem Portal möchte ich meine Erfahrungen weitergeben: Das geschieht auf kuriose, erzählende, bebilderte, vokabularische und lustige Weise. Ich beschäftige mich hier nicht mit allgemein gültigem, sondern gebe meine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse in Italien und zwischen Italienern und Deutschen weiter.

Um euch die italienische Kultur näher zu bringen versorge ich euch mit Rezepten, Sehnsuchtsorten, Bildern, Vokabular, Stolpersteinen und vielem mehr. Bei Fragen zu irgendeinem Italien Thema kontaktiert mich hier.