Willkommen daheim #5

Wie bemerkst du, dass du „zu lange“ in Italien warst? – Wenn du auf ein Amt musst und in den Survival-Mode schaltest: Öffnungszeiten trippelchecken, Proviant mitnehmen, auf der Fahrt mehrere Strategien ausarbeiten, um an dein gewünschtes Dokument zu kommen, sofort beim Betreten des Amtes den „Nummer-Zieh-Automat“ ausfindig machen, Vitalzeichen der anderen Wartenden durch Sichtkontrolle checken…

Willkommen daheim #4

Wie bemerkst du, dass du „zu lange“ in Italien warst? – Wenn du nie im Kreisverkehr blinkst und nach dem Prinzip „wer die größeren Eier hat, hat Vorfahrt“ fährst anstatt nach der StVO..

6 Monate / 3. Advent / 185 Tage Meer

Ich habe in den letzten Monaten viel erzählt, von Schwierigkeiten, Landschaften, Essen, Städten, Bürokratie, Menschen, Palmen, Meer und Entdeckungstouren. Viel gearbeitet, mich viel gebräunt, viel Meeresluft geatmet und Erfahrungen gesammelt. Heute, am 3. Advent, bin ich sechs Monate hier und wenn ich eines sicher sagen kann, dann: ich bin am Anfang! Die Marken sind ein harter Brocken! Es braucht viel Muse, um hier in meinem kleinen Ort Menschen zu knacken und das Leben ist zu 100% anders als an den Orten, an denen ich bisher gewohnt habe. Es war eine Herausforderung bisher und es wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Dafür habe ich einiges gelernt: Es gibt so unglaublich viel zu entdecken! Im Sommer war ich nur draußen unterwegs, wenn ich nicht gerade auf Wohnungssuche war. Museen, Städte, Wein, Trüffel, die Bergregionen mit ihren Naturspektakeln… so viel habe ich noch nicht gesehen und probiert. Einiges habe ich schon probiert, wie einige wenige der vielen marchegianischen Exzellenzweine – außerdem habe ich unzählige Olive all’ascolana gemampft und immer wieder Neues entdeckt, wie Traditionsnachspeisen, Gemüse und Kräuter und vor allem Meeresfrüchte, von denen ich vorher nichts gehört hatte. Ich bin sehr dankbar, dass mich einige wenige Personen hier in ihr Herz gelassen haben und bin gespannt darauf, was im nächsten halben Jahr passiert. Zur Feier des Tages habe ich mir eine 45 minütige Bildershow über die Marken angeschaut, bei der ich noch einiges lernen konnte und mir schonmal Notizen für meine nächsten Erkundungstouren gemacht habe 🙂  (link unten)

Aber jetzt heißt es erstmal, schnell noch eine Woche arbeiten, nach München fliegen, „Großstadtleben“ aufsaugen, ins Schwabenländle fahren und Brezeln essen und dann zurück und auf in neue Abendteuer! Eine fröhliche Weihnachtszeit und einen Guten Rutsch und Gesundheit und felicità wünscht,

Jennifer 🙂

felicità = Glückseligkeit

Wer Lust auf Palmen hat an Weihnachten oder Langeweile und was vom Sofa aus entdecken will, außerdem ist auch die Stimme der Dame sehr besinnlich 😉

 

Ich nehme an, wenn die Dame sagt, dass die Marken ein unentdecktes Gebiet sind, dann meint sie von Touris unentdeckt, denn hier Leben viele Menschen, Tiere, Pflanzen usw. 😉

 

Italienisches Gedöns #lezozzerie

Eigenheiten, die mir bisher aufgefallen sind, bzw. die ich hier entwickelt habe, lassen sich ganz gut in 3 Arten von Gedöns aufteilen. Meine 3 Arten von Gedöns – bitteschön:

Zozzerie dal mare / Gedöns vom Meer

Zozzerie di cracker / Cracker-Gedöns

Zozzerie di scontrini / Zettel-Gedöns

fangen wir mit dem ersten Gedöns an:

Zozzerie dal mare / Gedöns vom Meer

Man zieht also ans Meer um, macht jeden Tag einen Spaziergang am Strand und sammelt Muscheln, Steine, Hölzer und anderes Gedöns.. Spätestens nach ein paar Monaten merkt man:

  1. dass das Gedöns zuhause einstaubt
  2. dass man nix damit anfangen kann
  3. dass Muscheln eher ans Meer gehören
  4. dass man, wenn man nicht mehr aufhört zu sammeln, den Strand zuhause vorfindet
  5. niemals die Mobiles bastelt, die man eigentlich basteln wollte…

Wenn also jemand einen Tipp hat, wie man die Muscheln verarbeitet, dann her damit (bitte Abstand halten von kitschigen Ideen a la: „man klebe die Muscheln auf einen extra auf alt gemachten Bilderrahmen und blablabla“). Ich für meinen Teil habe mir zumindest Grenzen gesetzt und die Regel eingeführt, dass ich bei jedem Spaziergang nur höchstens 2 Teile mitnehmen darf. Wenn ich mich zwischen 3 nicht entscheiden kann, muss ich eines davon verschenken. Hahah. Sagen wir mal so, meine Muschelsammlung ist noch überschaubar!

Zozzerie di cracker / Cracker-Gedöns

So ein Phänomen ist eventuell Eltern bekannt, die für ihre dauerhungrigen Kinder immer irgendwelche Snacks dabei haben … Das Cracker-Gedöns entsteht folgendermassen: Man kauft eine dieser enormen Cracker Packungen für den kleinen Hunger zwischendurch, die extra umweltfreundlich in „KleinerHungerZwischendurch“- Einzelverpackungen verpackt sind und steckt eine dieser Einzelverpackungen in die Handtasche.. die Zozzeria nimmt ihren Lauf, indem man doch keinen kleinen Hunger zwischendurch bekommt und die Cracker in der Tasche lässt. Ergebnis:

Zozzerie di scontrini / Zettel-Gedöns

Die dritte und letzte Zozzeria ist die der Zettel. In Italien ist man verpflichtet, beim Verlassen eines Ortes, an dem man etwas erworben, hat den Zettel mitzunehmen. Also beim Einkaufen, in der Bar, im Restaurant.. denn es könnte immer die Steuerfahndung am Eingang warten und dich kontrollieren… was natürlich selten vorkommt… was dafür aber vorkommt, ist die Zettelwirtschaft. Einkaufszettel überall. im Geldbeutel, den Einkaufstüten, Jackentaschen…

Also öfter mal die Taschen ausleeren und nachdenken 😉

Happy Vorweihnachtszeit / Ausmistzeit / Klar-Schiff-Mach-Zeit auch in (Jacken)Taschen und co. :p