Von München ans Meer – erste Bilanz

Was du zuerst weißt ist, dass du nichts weißt.

Man mag es vielleicht nicht glauben, dass es eine große Umstellung sein kann, wenn man von Deutschland nach Italien zieht: Hier erfahrt ihr wie es sich für mich bisher anfühlt.

Als ich damals von München nach Venedig gezogen bin war es schon auch anderes, ich meine: Venedig: man lebt auf dem Wasser. Trotz all der Besonderheiten der Lagunenstadt, hatte ich dort zwar ein ganz anderes Leben, aber die Unterschiede waren anders, und: kleiner, weniger spürbar im alltäglichen Leben.

Jetzt, wo ich von München ans Meer gezogen bin, merke ich, dass ich nichts weiß. Es ist ein völlig anderes Leben hier. Ich bin heute vor einem Monat in München losgefahren und meine erste Minibilanz lässt mich folgendes sagen.

Es ist traumhaft hier, aber ich muss noch viel lernen und ankommen.

Schon alleine der Arbeitsrhythmus (ich arbeite von 9-13 und 15-19 Uhr) lässt darauf schließen, dass hier die Uhren anders ticken. Ich habe mich sehr gefreut, als ich von diesen Arbeitszeiten erfahren habe, denn mir war schlagartig bewusst, dass ich so auch unter der Woche was vom Meer haben werde!! Außerdem bin ich eine Genießerin und Freundin des Selberkochens, was mir die 2 stündige Mittagspause wie ein Träumchen vorkommen lässt. Doch wenn man kocht, isst und 100m vom Meer entfernt wohnt können sogar 2 Stunden knapp werden 😎.

Was aber wirklich krass ist -meine Worte werden nicht annähernd beschreiben wie es sich wirklich anfühlt- ist, dass mittags alles WIE AUSGESTORBEN ist. Anfangs dachte ich, man könnte sich in der Mittagspause in ein Café setzten oder am Markt einkaufen… aber nope. Mindestens von 13-15 Uhr -manchmal auch deutlich länger- ist alles verriegelt. Zumindest im Stadtkern, also Bäckereien, Cafés, Läden, Metzger, Tante Emma Läden, Supermärktchen – ALLES!

Öffnungszeiten des kleinen Supermarktes

Lediglich am Meer haben einige Bars geöffnet – ein Mittagessen am Meer hat noch nie geschadet und man spart auch direkt die Kochzeit und ist schon am Meer zum Spaziergang oder rumlümmeln nach dem Essen…. 😉

Aber es bleibt nicht dabei.. manchmal sind hier zum Beispiel Märkte .. das erste mal als ich das wahrnahm, als ich morgens zur Arbeit ging, freute ich mich schon darauf in der Mittagspause über den Markt zu schlendern und mir vielleicht die ein oder andere Leckerei zu gönnen…. aber: wer hätts gedacht, als ich um kurz nach 13 Uhr ankam wurden gerade die letzten Stände abgebaut..

Da ich eine absolute Langschläferin bin und hier gegen 1 , 2 Uhr ins Bett gehe fällt es mir durchaus schwer vor der Arbeit so einen Markt zu besuchen.. mal schauen, was ich in Zukunft an meinem Rhythmus machen kann.. denn ich wache immer zwischen 5 und 6 auf aber bin dann halt sooooo müüüüüde. Leider beginnen die Märkte die ich bisher gesehen habe auch erst um 9 so dass ich eh keine Chance habe dort einzukaufen.

Letztens habe ich nicht schlecht gestaunt, als eine ältere Dame mir erzählt hat, dass sie jeden Tag um 5:30 aufsteht zur Pineta läuft (unser Pinienwald im Ort) dort spaziert und wieder zurückläuft (15 km Runde – läuft bei der).

Ältere Menschen nutzen hier die Morgenstunden um alles mögliche zu machen (aber die Läden haben glaube ich zu?!?) und ein Freund verriet mir neulich, dass um 5:30 im Meer zu schwimmen am Traumhaftesten sei… i Need to Work on my timing!

Nicht nur morgens, sondern zu allen Tageszeiten ist mein Rhythmus noch nicht so ganz synchronisiert.. denn wenn ich abends aus der Arbeit komme, bin ich entweder sooo hungrig oder will unbedingt noch schnellll ans Meer, bevor die Sonne untergeht. Wenn ich heimgehe um zu essen bin ich danach so müde und träge, dass ich das Haus eher nicht mehr verlasse und die Sonne ist nach dem Essen auch schon untergegangen. Wenn ich hingegen erst ans Meer gehe und dann evtl einkaufen und dann koche und esse, dann ist es soooo spät, dass ich einfach irgendwie alles zu weit nach hinten schiebt.

Ich merke bereits: Entweder müsste man alles vorbereiten, vorkochen oder ähnliches, damit man Mittagspause und den Abend besser genießen kann, denn der Arbeitstag wird halt durch die 2stündige Pause auch sehr lang..

Was ich aber noch mehr spüre, FAMILIE ist ein großes Stichwort. Mein Bekannter, der hier aus dem Ort kommt wohnt je 50 Meter von seinen Eltern und seiner Oma entfernt. Wenn er Mittagspause macht, geht er zu Mamma essen, bei Oma Kaffetrinken und so weiter.. natürlich ist diese Mittagspause, so verbracht, eine wertvolle Familienzeit. Aufgaben werden verteilt und das Zusammenleben wird zelebriert. Da ist es nur logisch, dass alle Läden dicht sind. Personen, die alleine sind, bleiben auf der Strecke…und Touris denken womöglich, dieser ist ein Geisterort…

Das ändert sich aber gehörig gegen spätestens 23 Uhr, denn da geht nämlich die Luzi ab und das Dorf erwacht. Dazu später mehr

Dolcevitaliana feeling in München

Du bist in München, wärst aber gerade lieber in Italien? Vielleicht kann dir eine italienische prima colazione helfen.. bei Oh Julia in der Hofstatt gibt es Espresso und Croissants und es schmeckt wirklich so köstlich wie in Bella Italia. Du kannst zwischen albicocca, vaniglia und chioccolato Füllung wählen. Mein absoluter Favorit ist natürlich die Aprikosenfüllung im Croissant.

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