Ein Mittag in Loreto

Loreto. Ein magischer Ort. Ich hatte es schon geahnt, bevor ich wirklich da war und das hat 2 Gründe. Eines Tages stieg ich in einen Zug von Ancona nach Venedig. Das heisst, wir wollten einsteigen.. aber er kam erstmal nicht. Nach viel casino am Bahnsteig, hörte ich zum ersten Mal von Loreto, als ein Bahnangestellter meine Hand tätschelte und sagte „gnädige Frau, ihr Zug wird kommen und sogar bald, er macht grad in Loreto halt und holt sich noch schnell den Segen der Madonna ab“ … ich war verwirrt, wollte nach Venedig -und zwar schnell- und sagte nur, dass ich von Loreto noch nie gehört habe, aber sehr glücklich darüber bin, dass der Zug doch noch kommt. Der Bahnangestellte hatte mich in diesem Moment für die größte Kulturbanausin in den Marken gehalten…

Meine zweite Begegnung mit Loreto hatte ich auf der Autobahn einige Monate später.. (noch im Zug hatte ich mir vorgenommen dieses Loreto ausfindig zu machen und es zu besuchen, oder mir zumindest vorerst mal den Namen der Stadt zu merken) von der Autobahn aus sah ich es dann. .. Leuchtend in der Sonne! Stolz! und doch bescheiden.. erhoben auf einem lieblichen Berg.. die Kathedrale leuchtete buchstäblich .. ich passierte das Schild auf der Autobahn, das auf Loreto verwies, und da war mir klar, dass ich soeben besagten Ort gesehen habe, mit dem ich am Bahnhof von Ancona meine erste „Begegnung“ hatte… ich setzte Loreto sofort auf meine ‚innere Ausflugsliste‘ und dann kam der Ausflug.

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Goodbye durchs Fenster, heute kein Leuchten.. ist ja auch spät jetzt..

 

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Atemberaubende Weitsicht

Loreto. Also. Es ist Anfang Juli, die Sonne brennt vom Himmel, ein wunderschöner Tag. Die Anfahrt ist unschuldig, wenn man überland kommt.. man bewegt sich auf wunderschönen Landstraßen, die ein wenig der Toskanalandschaft gleichen und der Winkel alleine, in dem die Sonne scheint, macht mich schon glücklich. Schon von weitem strahlt dieser Ort! Aber jetzt mal der Reihe nach.. nach einem kleinen Spaziergang ausserhalb der Stadtmauern mit unglaublich schönem Ausblick, schreite ich durch das große Tor, nur um einen noch schöneren Ausblick vorzufinden. Aber zwei Dinge irritieren mich, erstmal das Flugzeug, das den Anblick verschandelt und dann, als ich mich umdrehe.. eine Ansammlung von Ständen mit Kreuzen und Statuen, die mich augenblicklich verstehen lassen, dass hier was falsch läuft :p

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Ist Loreto jetzt wegen Maria berühmt oder wegen Flugzeugen?!

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Bin ja eher so der Meertyp, aber dieser Berg hat ’s mir angetan..

Wer sich dazu entscheidet, in die Basilika einzutreten und wie ich ohne Vorbereitung Orte besucht (manch einer nennt es naiv, mir jedoch macht es Spaß) der wird dann auch verstehen, was da los ist. Die herrschaftliche leuchtende Basilika, von der ich ja jetzt schon öfter gehört hatte, wurde um ein Häuschen herum gebaut und zwar um kein geringeres als das der Maria.. ja DER Maria – die, nach der ihr alle benannt seid :p – Sie wird auch Mutter Gottes genannt oder Maria von Nazareth – DIE Jungfrau. Das macht Loreto also zum wichtigsten Wallfahrtsort Italiens (dachtet ihr auch, dass es Rom wäre …?!)

Das Haus in dem Jesus‘ Mutter in Nazareth aufgewachsen ist steht also in Loreto, Marken, Italien. Wie es da hinkam? Offensichtlich über Griechenland, Kroatien und zwar mit dem Schiff… Wer mehr erfahren will schaue sich diese Seite an, die ich gefunden habe, aber mit der ich nichts zu tun habe. 

 

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Auf dem Weg zur Basilika, rechter Hand befinden sich alle Souvenirstände .. 

 

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Schön hier, wa?

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Beste Aussicht

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Der wunderschöne Vorplatz der Basilika plus Frontansicht 😉

 

Man betritt also die Kirche und hinten am Ende des Schiffs steuert man auf Marias Haus zu. Quasi ein Zweizimmerhaus. In Nazareth war es an einer Mauer gebaut (auch diese wird noch heute verehrt) deshalb hat das Haus nur 3 Wände. An das Innere kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, denn ich war erstaunt von den vielen Menschen, die darin beteten, knieten und auf Wunder hofften oder einfach nur staunend da standen und sich fragten, was Marias Haus hier eigentlich macht.

 

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Fotografieren verboten?

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Malerei, Marmor, Gold, das Übliche..

Ich weiss es, meine Freunde sagen es mir andauernd, ich mache zu viele Fotos. Überall. In der Basilika habe ich mich mal zurückgehalten.. deswegen, wenn ihr Marias Haus sehen wollt, dann fahrt hin 😉 dasselbe gilt für die schöne Altstadt Loretos – definitiv ein Ausflug wert! Was ich euch allerdings nicht vorenthalten kann, ist dieses Schild, das in der Nähe des Eingangs der Kirche zu finden war. Darauf steht: „Jammern verboten: Hör auf zu klagen und fang an dein Leben zum Besseren zu verändern!“

Wenn das mal nicht ein super Tipp der Kirche ist 🙂

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Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Happy weekend und geniesst den Ausblick auf den Monte Conero und das Meer:

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Ausblick auf unseren Hausberg: Monte Conero

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Meer 

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mehr Meer, kann nie schaden..

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Kathedrale Rückansicht, sie genießt den obigen Ausblick 

 

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Monte Conero, Meer und Uschi, noch ungebräunt aber trotzdem glücklich 😉

Wenn ihr in der Nähe seid, dann besucht auf jeden Fall auch gleich noch Sirolo. Dort gibt es unglaublich leckeres Eis und den vielleicht schönsten Ausblick der Gegend..

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Monte Conero von Sirolo aus und die herrliche Natur drumherum

 

Wort des Tages: casino = Chaos

60 Tage Sommer in Italien :)

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Wer genau sucht findet den Granatapfelbaum im Garten

Ich verbringe mein Zweimonatiges in Italien heute mit rumlümmeln, lesen und schlafen. Nachdem hier jeder entweder im Urlaub ist, oder schon war, habe ich mir das, denke ich, verdient 😉 . Denn heute ist Ferragosto und ich muss nicht arbeiten. Leider habe ich erst zwei Urlaubstage angesammelt, aber wenn alles gut läuft, werde ich mir die nächste Woche, wenn hoher Besuch ansteht, gönnen.

Ist also schon wieder Zeit zum Resümieren? – Ich kann nur so viel sagen, ich schreibe aus Wohnung Nr. 6. Keiner hätte wohl gedacht, dass der Sommer wohnungstechnisch so schlimm / teuer werden würde.. Es ist definitiv so, dass hier in den Sommermonaten alle Einheimischen durchdrehen… sie vermieten alles für mindestens 80 € / Tag und das meistens eher ungeputzt. Was das betrifft, freue ich mich auf den September, dann werde ich wohl hoffentlich eine Bleibe für die nächsten Monate finden, ohne wöchentlich umzuziehen.

Wenns aber ums Resümieren geht, dann habe ich wieder viel gelernt in diesen 2 Monaten:

  1. Ja, es ist nicht super komfortabel oft umzuziehen, manchmal jede Woche, aber man sieht viel, lernt die Stadt (und ein paar Einheimische) kennen und findet schnell ‚raus, was einem gefällt und was nicht. -Lebe ich lieber in der Fussgängerzone, wo jeden Abend die Luzi abgeht? Lebe ich lieber in einem Wohnviertel mit mehr Einheimischen? Im Erdgeschoss, wo es nicht so heiss wird, aber dunkel ist? In oberen Stockwerken mit Balkon und mehr Hitze…? Mal schauen, wo es mich dann im September hin verschlägt.
  2. Durch das häufige Wohnung Wechseln habe ich wieder einmal sehr STARK bemerkt, wie viel zu viel ich mit mir ‚rumschleppe. Okay, man muss fairerweise sagen, dass ich mein Leben mitgebracht habe… und jetzt glücklicherweise eine Kiste mit Dokumenten, Malsachen, Büchern und CDs sowie meine Bettdecken und Winterklamotten / Schuhe bei einer Kollegin unterstellten durfte. Aber: wie viele der Sommerkleider, die ich im Kofferraum spazieren fahre, habe ich wirklich getragen? All die Schminksachen, Cremes usw. habe ich bis auf die Sonnencreme auch nicht benutzt … Bücher und CD’s hingegen schon, die Yogamatte sowieso und auch Omas Sonnenhut 🙂 Fest steht, ich könnte trotzdem locker die Hälfte loslassen und hätte noch genug… und auch: es gibt immer was, woran man arbeiten kann 🙂

Happy 2 Monatiges!

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Omis Hut schützt Kopf gut :p (After-Strand-Face)

 

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Prost – mein Vermieter hat mir grad kühlen Wein gebracht!

 

 

 

PS: Wort des Tages „valvola = Sicherung“ weil die ist heute rausgeflogen & Lied des Tages: https://www.youtube.com/watch?v=5E6ZOZzV9yY

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#homeiswherethepalmtreesare

Ein Tag – tausend Emotionen

Ich habe 1000 Tränen geweint, bin 1000 Kilometer gefahren, habe abertausend Eindrücke gesammelt, in einem Tag so viel erlebt, wie manchmal in einem Monat nicht.

Und was bleibt nach diesem vollen Tag übrig? Vertrauen.

Vertrauen in sich selbst.

Vertrauen in die Umwelt.

Vertrauen in die Menschen.

Wir Menschen sind eigentlich sehr einfach gestrickt: Wenn wir ein Dach überm Kopf haben, mit ein paar Dingen darunter, durch die wir uns Zuhause fühlen, ein soziales Umfeld haben, uns dort wo wir sind auskennen und dann dazu noch gesund sind- dann ist alles paletti. Wenn man aber sein Umfeld, Wohnung, Freunde und Lieben zurücklässt, droht einem das alles auf einen Schlag „zu verlieren“. Auch wenn man sich das selbst aussucht, schleichen sich einige Gedanken ein, die die letzten Tage auch durch die ganzen Abschiede (Abschied vom Supermarkt gegenüber, Abschied von Wohnungen, Freunden, Lieben, Plätzen, Gewohnheiten, Lieblingssushi usw) schwierig gestalten. So kam es also, dass ich tausend Tränen geweint habe, bevor ich mich ins Auto setzte um die tausend Kilometer zu fahren.

Nun ja, was kann ich sagen… gestern früh war ich mir nicht sicher, ob ich vielleicht noch auf halbem Weg umdrehen sollte.. Am Tag zuvor der Regen in München, sodass ich nichtmal meine Sachen gescheit einladen konnte, dann der Selbstmord meines Handys in Vicenza, sodass ich mich vom Wetter, der Technik und vor allem von meiner Entscheidung alleine gelassen fühlte. Mit ein bisschen wuuuuusaaa, durchatmen und gutem Zuspruch von Rettern in der Not, ist so ein kleines Tief schnell verflogen. Ich wurde mit einer super Fahrt ohne Stau und sonstigen Problemen entlohnt, konnte viel Musik hören, die Landschaft beobachten, alles in mich aufsaugen und mich mehr oder weniger langsam in mein italienisches Leben fahren.

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mein erster neuer Freund #aufdemnächstenfotobinichvielleichtbraun

Meine einzige wirkliche Sorge war bis dato, dass ich keine Wohnung habe und mir schon vorstellte 2 Monate airbnb-bnb&hotelhopping machen zu müssen… die Onlinesuche war sehr schleppend, fast niemand hat auf meine Anfragen geantwortet. Ich habe nur riesiges Apartments gefunden; manch einer denkt jetzt „was beschwert die sich“.. aber ich habe bisher nur in WGs gelebt und das sehr genossen – alleine zu leben und Platz zu haben ist für mich eher eine Horrorvorstellung – auch wenn die Preise für eine Wohnung hier mit den Preisen für ein WG-Zimmer in München vergleichbar sind. Glücklicherweise konnte ich durch einen Bekannten gestern gleich eine Wohnung anschauen und am Montag vielleicht noch eine…

Das Vertrauen in mich selbst hat mich also dazu gebracht loszufahren, weiterzufahren und anzukommen.

Das Vertrauen in die Umwelt hat mir erlaubt, ohne Handynetz in mir unbekannte Gefilde aufzubrechen.

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Und das Vertrauen in die Menschen hat dazu geführt, dass ich nicht nur bereits eine Wohnung angeschaut habe, sondern auch dazu, dass ich meinen Besitz in der Wohnung eines Bekannten untergestellt habe, den ich 3 kurz Mal gesehen habe. Dazu, dass ich in meinem airbnb fürs Wochenende mit Pasticcini, Musik, Wein, einer Einladung zum Kutteln essen und tollen Geschichten Willkommen geheissen wurde.

Ich habe diesen langen Tag also mit den Füßen im Sand, dem Blick aufs Meer, einer Pizza mit Radicchio, Salsiccia und Grano in den Händen und größter Dankbarkeit im Herzen beendet.

PS: Mein neuer Leitspruch: #homeiswherethepalmtreesare

 

Song of the day: