60 Tage Sommer in Italien :)

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Wer genau sucht findet den Granatapfelbaum im Garten

Ich verbringe mein Zweimonatiges in Italien heute mit rumlümmeln, lesen und schlafen. Nachdem hier jeder entweder im Urlaub ist, oder schon war, habe ich mir das, denke ich, verdient 😉 . Denn heute ist Ferragosto und ich muss nicht arbeiten. Leider habe ich erst zwei Urlaubstage angesammelt, aber wenn alles gut läuft, werde ich mir die nächste Woche, wenn hoher Besuch ansteht, gönnen.

Ist also schon wieder Zeit zum Resümieren? – Ich kann nur so viel sagen, ich schreibe aus Wohnung Nr. 6. Keiner hätte wohl gedacht, dass der Sommer wohnungstechnisch so schlimm / teuer werden würde.. Es ist definitiv so, dass hier in den Sommermonaten alle Einheimischen durchdrehen… sie vermieten alles für mindestens 80 € / Tag und das meistens eher ungeputzt. Was das betrifft, freue ich mich auf den September, dann werde ich wohl hoffentlich eine Bleibe für die nächsten Monate finden, ohne wöchentlich umzuziehen.

Wenns aber ums Resümieren geht, dann habe ich wieder viel gelernt in diesen 2 Monaten:

  1. Ja, es ist nicht super komfortabel oft umzuziehen, manchmal jede Woche, aber man sieht viel, lernt die Stadt (und ein paar Einheimische) kennen und findet schnell ‚raus, was einem gefällt und was nicht. -Lebe ich lieber in der Fussgängerzone, wo jeden Abend die Luzi abgeht? Lebe ich lieber in einem Wohnviertel mit mehr Einheimischen? Im Erdgeschoss, wo es nicht so heiss wird, aber dunkel ist? In oberen Stockwerken mit Balkon und mehr Hitze…? Mal schauen, wo es mich dann im September hin verschlägt.
  2. Durch das häufige Wohnung Wechseln habe ich wieder einmal sehr STARK bemerkt, wie viel zu viel ich mit mir ‚rumschleppe. Okay, man muss fairerweise sagen, dass ich mein Leben mitgebracht habe… und jetzt glücklicherweise eine Kiste mit Dokumenten, Malsachen, Büchern und CDs sowie meine Bettdecken und Winterklamotten / Schuhe bei einer Kollegin unterstellten durfte. Aber: wie viele der Sommerkleider, die ich im Kofferraum spazieren fahre, habe ich wirklich getragen? All die Schminksachen, Cremes usw. habe ich bis auf die Sonnencreme auch nicht benutzt … Bücher und CD’s hingegen schon, die Yogamatte sowieso und auch Omas Sonnenhut 🙂 Fest steht, ich könnte trotzdem locker die Hälfte loslassen und hätte noch genug… und auch: es gibt immer was, woran man arbeiten kann 🙂

Happy 2 Monatiges!

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Omis Hut schützt Kopf gut :p (After-Strand-Face)

 

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Prost – mein Vermieter hat mir grad kühlen Wein gebracht!

 

 

 

PS: Wort des Tages „valvola = Sicherung“ weil die ist heute rausgeflogen & Lied des Tages: https://www.youtube.com/watch?v=5E6ZOZzV9yY

Von München ans Meer – erste Bilanz

Was du zuerst weißt ist, dass du nichts weißt.

Man mag es vielleicht nicht glauben, dass es eine große Umstellung sein kann, wenn man von Deutschland nach Italien zieht: Hier erfahrt ihr wie es sich für mich bisher anfühlt.

Als ich damals von München nach Venedig gezogen bin war es schon auch anderes, ich meine: Venedig: man lebt auf dem Wasser. Trotz all der Besonderheiten der Lagunenstadt, hatte ich dort zwar ein ganz anderes Leben, aber die Unterschiede waren anders, und: kleiner, weniger spürbar im alltäglichen Leben.

Jetzt, wo ich von München ans Meer gezogen bin, merke ich, dass ich nichts weiß. Es ist ein völlig anderes Leben hier. Ich bin heute vor einem Monat in München losgefahren und meine erste Minibilanz lässt mich folgendes sagen.

Es ist traumhaft hier, aber ich muss noch viel lernen und ankommen.

Schon alleine der Arbeitsrhythmus (ich arbeite von 9-13 und 15-19 Uhr) lässt darauf schließen, dass hier die Uhren anders ticken. Ich habe mich sehr gefreut, als ich von diesen Arbeitszeiten erfahren habe, denn mir war schlagartig bewusst, dass ich so auch unter der Woche was vom Meer haben werde!! Außerdem bin ich eine Genießerin und Freundin des Selberkochens, was mir die 2 stündige Mittagspause wie ein Träumchen vorkommen lässt. Doch wenn man kocht, isst und 100m vom Meer entfernt wohnt können sogar 2 Stunden knapp werden 😎.

Was aber wirklich krass ist -meine Worte werden nicht annähernd beschreiben wie es sich wirklich anfühlt- ist, dass mittags alles WIE AUSGESTORBEN ist. Anfangs dachte ich, man könnte sich in der Mittagspause in ein Café setzten oder am Markt einkaufen… aber nope. Mindestens von 13-15 Uhr -manchmal auch deutlich länger- ist alles verriegelt. Zumindest im Stadtkern, also Bäckereien, Cafés, Läden, Metzger, Tante Emma Läden, Supermärktchen – ALLES!

Öffnungszeiten des kleinen Supermarktes

Lediglich am Meer haben einige Bars geöffnet – ein Mittagessen am Meer hat noch nie geschadet und man spart auch direkt die Kochzeit und ist schon am Meer zum Spaziergang oder rumlümmeln nach dem Essen…. 😉

Aber es bleibt nicht dabei.. manchmal sind hier zum Beispiel Märkte .. das erste mal als ich das wahrnahm, als ich morgens zur Arbeit ging, freute ich mich schon darauf in der Mittagspause über den Markt zu schlendern und mir vielleicht die ein oder andere Leckerei zu gönnen…. aber: wer hätts gedacht, als ich um kurz nach 13 Uhr ankam wurden gerade die letzten Stände abgebaut..

Da ich eine absolute Langschläferin bin und hier gegen 1 , 2 Uhr ins Bett gehe fällt es mir durchaus schwer vor der Arbeit so einen Markt zu besuchen.. mal schauen, was ich in Zukunft an meinem Rhythmus machen kann.. denn ich wache immer zwischen 5 und 6 auf aber bin dann halt sooooo müüüüüde. Leider beginnen die Märkte die ich bisher gesehen habe auch erst um 9 so dass ich eh keine Chance habe dort einzukaufen.

Letztens habe ich nicht schlecht gestaunt, als eine ältere Dame mir erzählt hat, dass sie jeden Tag um 5:30 aufsteht zur Pineta läuft (unser Pinienwald im Ort) dort spaziert und wieder zurückläuft (15 km Runde – läuft bei der).

Ältere Menschen nutzen hier die Morgenstunden um alles mögliche zu machen (aber die Läden haben glaube ich zu?!?) und ein Freund verriet mir neulich, dass um 5:30 im Meer zu schwimmen am Traumhaftesten sei… i Need to Work on my timing!

Nicht nur morgens, sondern zu allen Tageszeiten ist mein Rhythmus noch nicht so ganz synchronisiert.. denn wenn ich abends aus der Arbeit komme, bin ich entweder sooo hungrig oder will unbedingt noch schnellll ans Meer, bevor die Sonne untergeht. Wenn ich heimgehe um zu essen bin ich danach so müde und träge, dass ich das Haus eher nicht mehr verlasse und die Sonne ist nach dem Essen auch schon untergegangen. Wenn ich hingegen erst ans Meer gehe und dann evtl einkaufen und dann koche und esse, dann ist es soooo spät, dass ich einfach irgendwie alles zu weit nach hinten schiebt.

Ich merke bereits: Entweder müsste man alles vorbereiten, vorkochen oder ähnliches, damit man Mittagspause und den Abend besser genießen kann, denn der Arbeitstag wird halt durch die 2stündige Pause auch sehr lang..

Was ich aber noch mehr spüre, FAMILIE ist ein großes Stichwort. Mein Bekannter, der hier aus dem Ort kommt wohnt je 50 Meter von seinen Eltern und seiner Oma entfernt. Wenn er Mittagspause macht, geht er zu Mamma essen, bei Oma Kaffetrinken und so weiter.. natürlich ist diese Mittagspause, so verbracht, eine wertvolle Familienzeit. Aufgaben werden verteilt und das Zusammenleben wird zelebriert. Da ist es nur logisch, dass alle Läden dicht sind. Personen, die alleine sind, bleiben auf der Strecke…und Touris denken womöglich, dieser ist ein Geisterort…

Das ändert sich aber gehörig gegen spätestens 23 Uhr, denn da geht nämlich die Luzi ab und das Dorf erwacht. Dazu später mehr

Spargelzeit – Die Italienpasta

Wie immer super einfach, super lecker und super schnell zubereitet 🙂

 

Zutaten:

Butter

Grüner Spargel

Kirschtomaten

Kleine Mozzarelle

Pinienkerne

Parmesan

Tortiglioni

Pfeffer, Salz

 

Zubereitung:

Wasser zum Kochen der Pasta aufsetzen, salzen und Pasta – am besten Tortiglioni – al dente kochen.

Grünen Spargel waschen und in 3-4 cm lange Stücke schneiden. Butter in einer Pfanne zerlassen und den Spargel dazugeben, langsam dünsten während die Pasta kocht. Tomaten waschen und (kurz vor Ende der Pastakochzeit) zum Spargel hinzufügen – ungefähr für 1-2 Minuten mitdünsten, dann werden sie warm, aber bleiben knackig. Pinienkerne in einer separaten Pfanne (ohne Öl oder Butter!) auf ganz kleiner Flamme leicht anbraten. Das macht den super Geschmack des Gerichts zusätzlich aus. Aber Vorsicht – die Kerne im Auge behalten, denn sie verbrennen schnell und dann sind sie nicht mehr zu gebrauchen. Parmesan grob hobeln, Mozzarelle abtropfen lassen, alles vermengen, pfeffern, salzen und buon appetito 🙂 !

 

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Zoom in die leckersten Farben des Frühlings 🙂

 

Die Rechnung bitte – Il conto per favore!

Mit dem lieben Geld hat ja jeder so seine Eigenheiten… Aber wenns ans (gemeinsame) Zahlen geht, stoßen oft viele kulturelle Unterschieden aufeinander: Die Rechnung bitte – Il conto per favore! – Und es treten Fragen auf wie: zusammen? getrennt? Trinkgeld? wie viel davon?

zusammen? getrennt?

Diese Frage stellt sich in Italien nicht. Während man in Deutschland eher selten schief angeschaut wird, wenn man mit einer Gruppe von 14 Menschen Essen geht und jeder sein Gericht und Getränk selbst bezahlt sowie Trinkgeld gibt, wäre das in Italien vermutlich ein Skandal mittleren Ausmaßes.

Eines Abends als wir alle ziemlich neu in Venedig waren, hat der Uni IT-ler sein Versprechen wahr gemacht und uns (einer Gruppe von circa 55 Leuten) die, seiner Meinung nach, beste Pizza Venedigs vorgestellt. Er hat also eine riesige Tafel reserviert und wir haben Pizze aller Arten bestellt und probiert, getrunken, gelacht und viel Spaß gehabt.

Als es jedoch ans Zahlen ging, brach DAS CHAOS aus. Wir waren eine Gruppe von Studenten aus aller Welt: Amerika, Australien, China, Deutschland, England, Holland, Japan, Spanien… die erst seit ungefähr einer Woche in Italien lebten und viele verschiedene Traditionen im Gepäck hatten.

Er erklärte uns also, das man hier alla romana bezahlt. In Italien ist es überhaupt nicht üblich, dass jeder bezahlt, was er verzehrt hat. Man nimmt also die Rechnung und teilt sie durch die Anwesenden. Jeder wirft was in die Runde. Es ist absolut nicht mehr nachzuvollziehen, was an diesem Abend geschah.. Einige waren nicht damit einverstanden, weil sie „extra die billigste Pizza bestellt haben“ andere wiederum feierten diese Art zu bezahlen und bestellten sich schnell noch ein, zwei Schnäpschen.. auf jeden Fall war der Teufel los.. natürlich, wie sollte es auch anders sein.. endete dieser Abend damit, dass über hundert Euro fehlten. Das ist ein extremes Beispiel mit einer Riesengruppe. Es war neu für alle und alle hatten noch viel zu lernen.

Im Freundeskreis hingegen hat es von Anfang an IMMER funktioniert. Es gab keine Benachteiligungsvorstöße.. weil mal die oder der eine, und mal der oder die andere, mehr oder weniger verspeisten oder tranken.. Außerdem einigte man sich vorher darauf, wohin man ging und kannte auch das Budget der anderen so ungefähr.

Das war am Pizzaabend so nicht gewesen. Eine große Gruppe wurde „ohne Vorwarnung ins kalte romanische Wasser geworfen“ – es ist immer wieder erfrischend, wie viel man lernen kann, wenn man sich aus der eigenen Kultur herauswagt um den Horizont zu erweitern.

Habt einen schönen Tag und schaut doch mal, wie die anderen bezahlen 😉

Auszug aus dem ‚Facebook‘ – Tagebuch vom 28.10.2012

Ok! ich liege mittlerweile lachend auf meinem Sofa. Venedig ist die unglaublichste Stadt der Welt… um Vier bin ich aufgewacht, weil der Wind ans Haus peitschte wie verrückt, eine Stunde hab‘ ich gedacht, er wird schon aufhören und mir nur gedacht „Wind; in dieser Stadt ist genug Wasser, bring bitte nicht noch mehr und lass mich schlafen, danke, gut Nacht“.. nach 2 Stunden habe ich in die Küche gewechselt, in der Hoffnung, dass ich schlafen kann und Wärmflasche und Kakao gemacht und ’ne komplette Zeitung gelesen… gerade als ich auf dem Sofa eingenickt war, nach 3 Stunden, werde ich aus meinem Dämmerschlaf von der Kriegssirene geweckt, die hier benutzt wird um Hochwasser anzukündigen… gefolgt von einer Art Panflöte, die anzeigt, wie hoch das Wasser kommen wird. Nachdem ich schon lachend dieser Flöte lauschte, dämmerte es langsam und ich bin wieder eingenickt….um dann von der SMS geweckt zu werden, die mir dann nochmal die genaue Uhrzeit und Höhe des Wassers mitteilt….. mittlerweile glaube ich nicht mehr an Schlaf…. facebook=Hochwassergefährte

 

In Venedig kommt es oft zu Hochwasser aqua alta, teilweise wird fast die komplette Stadt überflutet, so war das auch 2012 als es mal wieder ein Rekordhochwasser (160cm) gab. Für uns Studenten, die das noch nicht kannten, war es zuerst super aufregend. Aber schon nach ein paar Tagen, in denen wir Wind und Wetter trotzten, mit den Gummistiefeln zur Uni gingen und dort zu normalem Schuhwerk wechselten, hatten auch wir die Nase voll. Es folgen einige Eindrücke: