Winter Kinder

Wenn du am 20. November zum letzten Mal -wenn auch nur für ein paar Sonnenstunden und mit viel Wind- im Bikini am Strand lagst und es am 17. Januar bereits wieder so aussieht:

… dann hast du deine Winterziele erreicht. Die Tage werden länger und die Sonne macht mich jeden Tag noch ein bisschen glücklicher.. hoffen wir mal, dass es bis im April genau so bleibt 🙂 🌊☀️🌴

Ein Mittag in Loreto

Loreto. Ein magischer Ort. Ich hatte es schon geahnt, bevor ich wirklich da war und das hat 2 Gründe. Eines Tages stieg ich in einen Zug von Ancona nach Venedig. Das heisst, wir wollten einsteigen.. aber er kam erstmal nicht. Nach viel casino am Bahnsteig, hörte ich zum ersten Mal von Loreto, als ein Bahnangestellter meine Hand tätschelte und sagte „gnädige Frau, ihr Zug wird kommen und sogar bald, er macht grad in Loreto halt und holt sich noch schnell den Segen der Madonna ab“ … ich war verwirrt, wollte nach Venedig -und zwar schnell- und sagte nur, dass ich von Loreto noch nie gehört habe, aber sehr glücklich darüber bin, dass der Zug doch noch kommt. Der Bahnangestellte hatte mich in diesem Moment für die größte Kulturbanausin in den Marken gehalten…

Meine zweite Begegnung mit Loreto hatte ich auf der Autobahn einige Monate später.. (noch im Zug hatte ich mir vorgenommen dieses Loreto ausfindig zu machen und es zu besuchen, oder mir zumindest vorerst mal den Namen der Stadt zu merken) von der Autobahn aus sah ich es dann. .. Leuchtend in der Sonne! Stolz! und doch bescheiden.. erhoben auf einem lieblichen Berg.. die Kathedrale leuchtete buchstäblich .. ich passierte das Schild auf der Autobahn, das auf Loreto verwies, und da war mir klar, dass ich soeben besagten Ort gesehen habe, mit dem ich am Bahnhof von Ancona meine erste „Begegnung“ hatte… ich setzte Loreto sofort auf meine ‚innere Ausflugsliste‘ und dann kam der Ausflug.

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Goodbye durchs Fenster, heute kein Leuchten.. ist ja auch spät jetzt..

 

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Atemberaubende Weitsicht

Loreto. Also. Es ist Anfang Juli, die Sonne brennt vom Himmel, ein wunderschöner Tag. Die Anfahrt ist unschuldig, wenn man überland kommt.. man bewegt sich auf wunderschönen Landstraßen, die ein wenig der Toskanalandschaft gleichen und der Winkel alleine, in dem die Sonne scheint, macht mich schon glücklich. Schon von weitem strahlt dieser Ort! Aber jetzt mal der Reihe nach.. nach einem kleinen Spaziergang ausserhalb der Stadtmauern mit unglaublich schönem Ausblick, schreite ich durch das große Tor, nur um einen noch schöneren Ausblick vorzufinden. Aber zwei Dinge irritieren mich, erstmal das Flugzeug, das den Anblick verschandelt und dann, als ich mich umdrehe.. eine Ansammlung von Ständen mit Kreuzen und Statuen, die mich augenblicklich verstehen lassen, dass hier was falsch läuft :p

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Ist Loreto jetzt wegen Maria berühmt oder wegen Flugzeugen?!

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Bin ja eher so der Meertyp, aber dieser Berg hat ’s mir angetan..

Wer sich dazu entscheidet, in die Basilika einzutreten und wie ich ohne Vorbereitung Orte besucht (manch einer nennt es naiv, mir jedoch macht es Spaß) der wird dann auch verstehen, was da los ist. Die herrschaftliche leuchtende Basilika, von der ich ja jetzt schon öfter gehört hatte, wurde um ein Häuschen herum gebaut und zwar um kein geringeres als das der Maria.. ja DER Maria – die, nach der ihr alle benannt seid :p – Sie wird auch Mutter Gottes genannt oder Maria von Nazareth – DIE Jungfrau. Das macht Loreto also zum wichtigsten Wallfahrtsort Italiens (dachtet ihr auch, dass es Rom wäre …?!)

Das Haus in dem Jesus‘ Mutter in Nazareth aufgewachsen ist steht also in Loreto, Marken, Italien. Wie es da hinkam? Offensichtlich über Griechenland, Kroatien und zwar mit dem Schiff… Wer mehr erfahren will schaue sich diese Seite an, die ich gefunden habe, aber mit der ich nichts zu tun habe. 

 

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Auf dem Weg zur Basilika, rechter Hand befinden sich alle Souvenirstände .. 

 

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Schön hier, wa?

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Beste Aussicht

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Der wunderschöne Vorplatz der Basilika plus Frontansicht 😉

 

Man betritt also die Kirche und hinten am Ende des Schiffs steuert man auf Marias Haus zu. Quasi ein Zweizimmerhaus. In Nazareth war es an einer Mauer gebaut (auch diese wird noch heute verehrt) deshalb hat das Haus nur 3 Wände. An das Innere kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, denn ich war erstaunt von den vielen Menschen, die darin beteten, knieten und auf Wunder hofften oder einfach nur staunend da standen und sich fragten, was Marias Haus hier eigentlich macht.

 

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Fotografieren verboten?

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Malerei, Marmor, Gold, das Übliche..

Ich weiss es, meine Freunde sagen es mir andauernd, ich mache zu viele Fotos. Überall. In der Basilika habe ich mich mal zurückgehalten.. deswegen, wenn ihr Marias Haus sehen wollt, dann fahrt hin 😉 dasselbe gilt für die schöne Altstadt Loretos – definitiv ein Ausflug wert! Was ich euch allerdings nicht vorenthalten kann, ist dieses Schild, das in der Nähe des Eingangs der Kirche zu finden war. Darauf steht: „Jammern verboten: Hör auf zu klagen und fang an dein Leben zum Besseren zu verändern!“

Wenn das mal nicht ein super Tipp der Kirche ist 🙂

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Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Happy weekend und geniesst den Ausblick auf den Monte Conero und das Meer:

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Ausblick auf unseren Hausberg: Monte Conero

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Meer 

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mehr Meer, kann nie schaden..

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Kathedrale Rückansicht, sie genießt den obigen Ausblick 

 

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Monte Conero, Meer und Uschi, noch ungebräunt aber trotzdem glücklich 😉

Wenn ihr in der Nähe seid, dann besucht auf jeden Fall auch gleich noch Sirolo. Dort gibt es unglaublich leckeres Eis und den vielleicht schönsten Ausblick der Gegend..

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Monte Conero von Sirolo aus und die herrliche Natur drumherum

 

Wort des Tages: casino = Chaos

Was die Anderen nicht sehen / Potpourri

Der hier geht raus an alle, die folgendes, oder zumindest Ähnliches zu mir gesagt haben: „Toll, dass du das machst, ich bewundere dich dafür“, „Krass, ich könnte das nie“, „Ich würde nie alles zurücklassen“, „Ich wusste immer, dass du dorthin gehörst“

Nach fast vier Monaten schaffe ich es das erste Mal tief durchzuatmen. Dieser t i e f e Atemzug rüttelt mich ein wenig auf. Alles kommt ins Wanken, ich zum Nachdenken und eine kurze kleine Unsicherheit entsteht. Wenn nicht alles fest und sicher ist, du auf deiner Terrasse sitzt, in den Abendhimmel starrst und die Welt umarmen könntest, dir jedoch bewusst ist, dass du da grad alleine sitzt und diesen Moment nicht mit deinen Liebsten teilst, dann fragst du dich vielleicht schon mal kurz „Was zum Geier mach‘ ich hier eigentlich?!?!“

Nur, weil mir irgend’was teilweise ungreifbares in Italien besser gefällt, lasse ich Freunde und Familie zurück? Nur, weil öfter die Sonne scheint, der Wein irgendwie besser schmeckt und das Leben dolce ist? MMMMMH. Ist es denn so dolce?

Ja und Nein. Denn wenn du 30 Jahre an einem Ort gelebt hast, deine Cousins dort Nachwuchs bekommen, deine Freunde dort umziehen, deine Eltern dort schöne Sonntagsausflüge machen, deine Leute dort auch eine Pasta erfunden haben, die da Spätzle heisst und du dich 30 Jahre an ‚was gewöhnt hast, dann braucht es viel Kraft einfach mal ALLES ANDERS zu machen.

Ich denke jeder kennt das Gefühl, im eigenen Dorf schlaftrunken zu funktionieren ohne überlegen zu müssen, wo und was und wie man machen muss. Einfach, weil man es schon immer so macht. Deswegen ist es auch für jemanden, der blind wird, eindeutig einfacher, zuhause damit klar zu kommen, wo alles gewohnt ist, als an irgend einem anderen Ort.

Hier muss ich also vor jedem Schritt überlegen. Überall lauern Fallen. Kann ich die kleinen Tintenfische jetzt mit Pasta kombinieren oder gehe ich dann als Banause durch? Kann ich mir später was im Supermarkt kaufen oder ist dann die 5stündige Mittagspause? Wann hat nochmal das Amt offen? Wann muss ich mein Auto wegparken? Und wie ist nochmal mein Nachname? Richtig. Es kommen Herausforderungen auf einen zu, von denen man vorher nicht einmal geglaubt hat, dass sie existieren und dann sind sie einfach da. Alleine im letzten Monat wurde mein Nachname 4 Mal verschieden falsch geschrieben (like what?!?!?) aber es ist ja nur ein Nachname..

Während ich also jetzt, wenn ich in meinem gewohnten Umfeld wäre, mit den Mädels zum endlosen Sonntagsbrunch gehen würde, mit den Eltern auf die Alb, mit Tanja umziehen oder Paddys Baby kennenlernen würde… sitze ich hier und frage mich: Was zum Geier?! Aber sehen wir es mal so. Jeder Neuanfang ist holprig, Freundschaften zu knüpfen braucht Zeit, bis der Mensch das alte Gewohnheitstier sich umgewöhnt braucht halt auch einfach Zeit, und ob ich jetzt „Zähne putze“ wie das die Deutschen tun oder sie im italienischen Stil „wasche“ – am Ende sind sie sauber. Es ist also wie immer alles mal wieder nur Ansichtssache. Habe ich also vor einer halben Stunde 2 Tränchen verdrückt, weil mir alles ein bisschen zu viel war, merke ich, wie ich diese kleinen reinigenden Tränchen brauche, um zu reflektieren und zu wissen, dass alles gut ist.

Ich richte mich also auf, wische die Tränchen weg und öffne mein Fenster, ich höre die Wellen des Meeres und wundersam -wie immer- ist sofort alles ok. Auch wenn du mal denkst, dass du alleine bist, du bist es nicht!

An diesem Punkt möchte ich kurz etwas ansprechen, das ich für sehr wichtig halte. Im täglichen Strudel halten wir sowieso viel zu wenig inne, reflektieren zu wenig und ziehen zu schnell Schlüsse. Meistens begegnen wir ja anderen Personen und blenden ihre Geschichte aus. Ich möchte mit diesem Post ein wenig sensibilisieren und uns alle mal kurz anhalten lassen. Es gibt so viele wunderbare Ansichtsweisen und verschiedene Wege zum selben Ziel zu kommen. Nur weil wir einen Weg kennen, der richtig ist oder es zumindest zu sein scheint, heisst es nicht, dass es nicht noch tausend andere Wege gibt, die vielleicht einfacher, vielleicht schwieriger, aber auch zielführend sind. Wenn wir immer an dem was wir kennen festhalten, dann kommen wir durchs Leben, sind aber vielleicht engstirnig und wachsen nicht. Es ist okay, nicht jeder muss immer wachsen und manch einer ist vielleicht sogar gerne engstirnig, weil es nunmal einfach ist.

Detto questo. Wer meine kleine Reise ein wenig verfolgt hat, der hat mitbekommen, wie viele Stolpersteine sich mir in den Weg gestellt haben und wie viele „Abenteuer“ ich in den letzten Monaten erlebt habe. Das alles, obwohl ich mich nur ca. 1000km von meinem Geburtsort wegbewegt habe, die Sprache beherrsche und vor Ankunft schon einen Job vor Ort hatte. Außerdem, und das ist bestimmt der wichtigste Fakt, habe ich mich von einem sicheren Ort wegbewegt und zwar freiwillig.

Das Menschen wandern, genauso wie sich Gesteinsschichten bewegen, ist eine alte Geschichte.. die älteste.. doch wir vergessen das oft. Wir vergessen oft, dass Grenzen auf Papier gemalte Linien sind, an die wir glauben und das tun wir auch, weil wir innerhalb der Linien geboren sind, die uns ein schönes Leben schenken .. dass heisst aber nicht, dass wir die Augen zu verschlossen lassen sollten, denn dem einen geht es immer nur so gut, wie es allen anderen geht. Ja, uns geht es gut, weil es jemand anderem schlecht geht.

Wenn jemand seine Heimat zurück lässt, dann oft wegen Krieg, Bedrohung und anderen schrecklichen Sachen, wie nicht das Glück zu haben, sein zu dürfen was man ist oder zu sagen was man möchte. Viele Menschen verlassen ihre gewohnte Umgebung aus diesen schwerwiegenden Gründen und nehmen viel Veränderung auf sich, die viel Kraft kostet. Sie kommen sich alleine, verloren, und wie Kinder vor, weil alles was sie vorfinden neu ist. Dazu kommt, dass sie vielleicht traumarisiert sind, von der Reise oder von dem, was sie davor erlebt haben. Das letzte was sie brauchen ist Engstirnigkeit. Jemand der einen Ort verlässt tut das selten, weil er jemand anderem etwas wegnehmen möchte, man tut es, um Frieden zu finden. Frieden egal welcher Art!

Deshalb bitte ich darum, wenn mal wieder eine Debatte tobt, wie sie es so oft tut. Vor allem in der immer weiter rechtsrückenden europäischen Politik. Haltet inne, hinterfragt die Motive der Argumentierenden und bitte seid menschlich und denkt an die Geschichten der Menschen und seid euch eures eigenen Glückes öfter bewusst ❤

Predigt Ende.

An dieser Stelle, möchte ich denen, die tief in meinem Herzen sind, die wissen, dass ich sie nicht zurück gelassen habe, sondern dass ich unser gemeinsames Zuhause erweitert habe, danken. Ohne eure Unterstützung wäre ich nicht der Mensch, der ich bin und vermutlich auch nicht hier. Ich bin sehr dankbar, so tolle, bunte, großherzige Menschen in meinem Leben zu haben! Love to you.

Film Tipp: vielleicht habt ihr ja Lust den Film „Terraferma“ zu schauen. Schönen Restsonntag euch allen!

Song des Tages: