Willkommen daheim #5

Wie bemerkst du, dass du „zu lange“ in Italien warst? – Wenn du auf ein Amt musst und in den Survival-Mode schaltest: Öffnungszeiten trippelchecken, Proviant mitnehmen, auf der Fahrt mehrere Strategien ausarbeiten, um an dein gewünschtes Dokument zu kommen, sofort beim Betreten des Amtes den „Nummer-Zieh-Automat“ ausfindig machen, Vitalzeichen der anderen Wartenden durch Sichtkontrolle checken…

Willkommen daheim #4

Wie bemerkst du, dass du „zu lange“ in Italien warst? – Wenn du nie im Kreisverkehr blinkst und nach dem Prinzip „wer die größeren Eier hat, hat Vorfahrt“ fährst anstatt nach der StVO..

Start a quota 100

Heute mal ein etwas anderes Format: Ich nehme euch mit auf einen Flug in die Freiheit. Stellt euch beim Anschauen der Bilder all eure Wünsche, Träume, Ängste, Zweifel und Hoffnungen vor, kommt mit mir fliegen …

 

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Auf diesem Flug in den Sonnenaufgang, merkst du, dass ALLES möglich ist (Wie zum Beispiel fliegen!!!). Grenzen setzen wir uns meist nur selbst, indem wir Angst die Übermacht gewinnen lassen, nicht auf unsere innere Stimme hören, uns davon leiten lassen, was andere für richtig halten oder aus einer Million anderer Gründe, die man leicht aufdecken kann, wenn man ehrlich ist. Ehrlich, vor allem zu sich selbst aber auch zu den anderen! Auf diesem Flug außerhalb der alltäglichen Grenzen fühlst du dich plötzlich frei, kannst auf den Wolken tanzen, der Sonne die Stirn bieten, siehst all die wunderschönen Farben, die die Welt zu bieten hat, von Pastell bis saftig rot. Du wirfst dich in die zuckerwattige Wolkendecke, die so kuschelig zuckrig ist und beobachtest das Treiben aus der Ferne. Am meisten aber wird dir bewusst, dass was da unten abgeht gar nicht so wichtig ist. Es gibt mehr, als das, was dich im Alltag festhält. Du fühlst dich wie ein Vogel, das Meer unter dir, der Wind in den Augen. Wenn du landest bist du durchgeschüttelt und ein bisschen weiser, weil du weißt, dass alles was dich manchmal festhält verschwindend ist, wenn du es mit Abstand beobachtest.

Sich seine Träume und Wünsche in Erinnerung zu rufen, sein Tun zu reflektieren und sich dadurch bewusst zu werden, was man wirklich will und tun muss, dass ist eine gute Übung fürs Glücklichsein.

Dieser Flug am 1.1.19 um 7 Uhr morgens war für mich der perfekte Start ins Jahr und auch gut geeignet, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, dankbar und stolz zu sein, für das, was ich in 2018 erreicht habe, denn 2018 war ereignisreich:

Meine Freunde wissen, dass ich weder ein Fan der Weihnachtszeit bin, noch eine Anhängerin von Neujahrsvorsätzen. Ich bin jedoch ein großer Fan davon, Zeit mit den Menschen, die mein Herz höher schlagen lassen, zu verbringen und davon, Träume Wirklichkeit werden zu lassen, Ängste zu bekämpfen, wahrhaftig zu sein und immer das Beste aus jeder Situation rauszuholen.

2018 hat genauso chaotisch und mit genau so viel Liebe geendet, wie es angefangen hat! Dieses vergangene Jahr war so aufregend, ereignisreich, verwirrend, dramatisch, gefährlich, lustig, erfolgreich, meerig, alleine, zusammen und frei und mutig, dass mich all diese Emotionen und Erlebnisse manchmal fast geschüttelt haben. Ein Wechselbad der Gefühle wahrhaftig, aber, wenn ich eines gelernt habe in 2018, dann, dass wir alle stärker sind, als wir es uns vorstellen können, dass es sich bewährt, immer auf sein Bauchgefühl zu hören und schließlich, dass es nötig und befreiend ist, sich seinen Ängsten zu stellen und nie davor wegzurennen. Nur so kann man wahrhaftig leben, der sein, der man ist, und das Leben genießen.

2018 war für mich ein großes Jahr, weil ich mal wieder nach Italien gezogen bin, mich von diversen Ängsten, Bedenken und Ballast losgesagt habe und, weil ich Gesundheitsprobleme, die Anfang des Jahres entdeckt wurden (hoffentlich für lange Zeit) erfolgreich hinter mir lassen konnte.

Dieser Beitrag war jetzt ein bisschen abseits vom #LebeninItalien, aber auch nur ein bisschen, denn er hat viel damit zu tun, warum ich überhaupt hier angekommen bin. Also wünsche ich viel Mut zur Wahrhaftigkeit für 2019, viel Groove zur eigenen Musik, Spaß beim Genießen, Innehalten und bei sich sein, sich den Ängsten bewusst zu werden und vielleicht sogar zu stellen, wie zum Beispiel der Flugangst, beim Träumen, Träume verwirklichen, wie zum Beispiel am Meer wohnen, oder was auch immer in euch schlummert 🙂 Aber vor allem dabei: dem Leben zu Leben, das ihr leben wollt. Happy gesundes 2019. Es lohnt sich, seinen eigenen Weg zu kennen und zu gehen!

Song zum Sonntag:

6 Monate / 3. Advent / 185 Tage Meer

Ich habe in den letzten Monaten viel erzählt, von Schwierigkeiten, Landschaften, Essen, Städten, Bürokratie, Menschen, Palmen, Meer und Entdeckungstouren. Viel gearbeitet, mich viel gebräunt, viel Meeresluft geatmet und Erfahrungen gesammelt. Heute, am 3. Advent, bin ich sechs Monate hier und wenn ich eines sicher sagen kann, dann: ich bin am Anfang! Die Marken sind ein harter Brocken! Es braucht viel Muse, um hier in meinem kleinen Ort Menschen zu knacken und das Leben ist zu 100% anders als an den Orten, an denen ich bisher gewohnt habe. Es war eine Herausforderung bisher und es wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Dafür habe ich einiges gelernt: Es gibt so unglaublich viel zu entdecken! Im Sommer war ich nur draußen unterwegs, wenn ich nicht gerade auf Wohnungssuche war. Museen, Städte, Wein, Trüffel, die Bergregionen mit ihren Naturspektakeln… so viel habe ich noch nicht gesehen und probiert. Einiges habe ich schon probiert, wie einige wenige der vielen marchegianischen Exzellenzweine – außerdem habe ich unzählige Olive all’ascolana gemampft und immer wieder Neues entdeckt, wie Traditionsnachspeisen, Gemüse und Kräuter und vor allem Meeresfrüchte, von denen ich vorher nichts gehört hatte. Ich bin sehr dankbar, dass mich einige wenige Personen hier in ihr Herz gelassen haben und bin gespannt darauf, was im nächsten halben Jahr passiert. Zur Feier des Tages habe ich mir eine 45 minütige Bildershow über die Marken angeschaut, bei der ich noch einiges lernen konnte und mir schonmal Notizen für meine nächsten Erkundungstouren gemacht habe 🙂  (link unten)

Aber jetzt heißt es erstmal, schnell noch eine Woche arbeiten, nach München fliegen, „Großstadtleben“ aufsaugen, ins Schwabenländle fahren und Brezeln essen und dann zurück und auf in neue Abendteuer! Eine fröhliche Weihnachtszeit und einen Guten Rutsch und Gesundheit und felicità wünscht,

Jennifer 🙂

felicità = Glückseligkeit

Wer Lust auf Palmen hat an Weihnachten oder Langeweile und was vom Sofa aus entdecken will, außerdem ist auch die Stimme der Dame sehr besinnlich 😉

 

Ich nehme an, wenn die Dame sagt, dass die Marken ein unentdecktes Gebiet sind, dann meint sie von Touris unentdeckt, denn hier Leben viele Menschen, Tiere, Pflanzen usw. 😉

 

Ein Mittag in Loreto

Loreto. Ein magischer Ort. Ich hatte es schon geahnt, bevor ich wirklich da war und das hat 2 Gründe. Eines Tages stieg ich in einen Zug von Ancona nach Venedig. Das heisst, wir wollten einsteigen.. aber er kam erstmal nicht. Nach viel casino am Bahnsteig, hörte ich zum ersten Mal von Loreto, als ein Bahnangestellter meine Hand tätschelte und sagte „gnädige Frau, ihr Zug wird kommen und sogar bald, er macht grad in Loreto halt und holt sich noch schnell den Segen der Madonna ab“ … ich war verwirrt, wollte nach Venedig -und zwar schnell- und sagte nur, dass ich von Loreto noch nie gehört habe, aber sehr glücklich darüber bin, dass der Zug doch noch kommt. Der Bahnangestellte hatte mich in diesem Moment für die größte Kulturbanausin in den Marken gehalten…

Meine zweite Begegnung mit Loreto hatte ich auf der Autobahn einige Monate später.. (noch im Zug hatte ich mir vorgenommen dieses Loreto ausfindig zu machen und es zu besuchen, oder mir zumindest vorerst mal den Namen der Stadt zu merken) von der Autobahn aus sah ich es dann. .. Leuchtend in der Sonne! Stolz! und doch bescheiden.. erhoben auf einem lieblichen Berg.. die Kathedrale leuchtete buchstäblich .. ich passierte das Schild auf der Autobahn, das auf Loreto verwies, und da war mir klar, dass ich soeben besagten Ort gesehen habe, mit dem ich am Bahnhof von Ancona meine erste „Begegnung“ hatte… ich setzte Loreto sofort auf meine ‚innere Ausflugsliste‘ und dann kam der Ausflug.

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Goodbye durchs Fenster, heute kein Leuchten.. ist ja auch spät jetzt..

 

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Atemberaubende Weitsicht

Loreto. Also. Es ist Anfang Juli, die Sonne brennt vom Himmel, ein wunderschöner Tag. Die Anfahrt ist unschuldig, wenn man überland kommt.. man bewegt sich auf wunderschönen Landstraßen, die ein wenig der Toskanalandschaft gleichen und der Winkel alleine, in dem die Sonne scheint, macht mich schon glücklich. Schon von weitem strahlt dieser Ort! Aber jetzt mal der Reihe nach.. nach einem kleinen Spaziergang ausserhalb der Stadtmauern mit unglaublich schönem Ausblick, schreite ich durch das große Tor, nur um einen noch schöneren Ausblick vorzufinden. Aber zwei Dinge irritieren mich, erstmal das Flugzeug, das den Anblick verschandelt und dann, als ich mich umdrehe.. eine Ansammlung von Ständen mit Kreuzen und Statuen, die mich augenblicklich verstehen lassen, dass hier was falsch läuft :p

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Ist Loreto jetzt wegen Maria berühmt oder wegen Flugzeugen?!

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Bin ja eher so der Meertyp, aber dieser Berg hat ’s mir angetan..

Wer sich dazu entscheidet, in die Basilika einzutreten und wie ich ohne Vorbereitung Orte besucht (manch einer nennt es naiv, mir jedoch macht es Spaß) der wird dann auch verstehen, was da los ist. Die herrschaftliche leuchtende Basilika, von der ich ja jetzt schon öfter gehört hatte, wurde um ein Häuschen herum gebaut und zwar um kein geringeres als das der Maria.. ja DER Maria – die, nach der ihr alle benannt seid :p – Sie wird auch Mutter Gottes genannt oder Maria von Nazareth – DIE Jungfrau. Das macht Loreto also zum wichtigsten Wallfahrtsort Italiens (dachtet ihr auch, dass es Rom wäre …?!)

Das Haus in dem Jesus‘ Mutter in Nazareth aufgewachsen ist steht also in Loreto, Marken, Italien. Wie es da hinkam? Offensichtlich über Griechenland, Kroatien und zwar mit dem Schiff… Wer mehr erfahren will schaue sich diese Seite an, die ich gefunden habe, aber mit der ich nichts zu tun habe. 

 

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Auf dem Weg zur Basilika, rechter Hand befinden sich alle Souvenirstände .. 

 

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Schön hier, wa?

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Beste Aussicht

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Der wunderschöne Vorplatz der Basilika plus Frontansicht 😉

 

Man betritt also die Kirche und hinten am Ende des Schiffs steuert man auf Marias Haus zu. Quasi ein Zweizimmerhaus. In Nazareth war es an einer Mauer gebaut (auch diese wird noch heute verehrt) deshalb hat das Haus nur 3 Wände. An das Innere kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, denn ich war erstaunt von den vielen Menschen, die darin beteten, knieten und auf Wunder hofften oder einfach nur staunend da standen und sich fragten, was Marias Haus hier eigentlich macht.

 

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Fotografieren verboten?

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Malerei, Marmor, Gold, das Übliche..

Ich weiss es, meine Freunde sagen es mir andauernd, ich mache zu viele Fotos. Überall. In der Basilika habe ich mich mal zurückgehalten.. deswegen, wenn ihr Marias Haus sehen wollt, dann fahrt hin 😉 dasselbe gilt für die schöne Altstadt Loretos – definitiv ein Ausflug wert! Was ich euch allerdings nicht vorenthalten kann, ist dieses Schild, das in der Nähe des Eingangs der Kirche zu finden war. Darauf steht: „Jammern verboten: Hör auf zu klagen und fang an dein Leben zum Besseren zu verändern!“

Wenn das mal nicht ein super Tipp der Kirche ist 🙂

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Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Happy weekend und geniesst den Ausblick auf den Monte Conero und das Meer:

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Ausblick auf unseren Hausberg: Monte Conero

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Meer 

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mehr Meer, kann nie schaden..

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Kathedrale Rückansicht, sie genießt den obigen Ausblick 

 

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Monte Conero, Meer und Uschi, noch ungebräunt aber trotzdem glücklich 😉

Wenn ihr in der Nähe seid, dann besucht auf jeden Fall auch gleich noch Sirolo. Dort gibt es unglaublich leckeres Eis und den vielleicht schönsten Ausblick der Gegend..

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Monte Conero von Sirolo aus und die herrliche Natur drumherum

 

Wort des Tages: casino = Chaos

Eine Woche im Leben der Jen

Oder: Hab‘ ich eigentlich verarsch‘ mich auf der Stirn stehen?!

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Mit der richtigen Lebenseinstellung kann dir keiner was

 

 

Sagen wir mal, diese Woche fing diesen Sonntag an, so, wie es schon in der Bibel stand. (Denn am Samstag war ich mal wieder mit umziehen beschäftigt (das 5. Mal seit dem 15.6)

Ein Sonntag am Meer

Am Sonntag gehe ich also ans Meer, nicht an meines, nein, an das mit Sand im Nachbarort – nach dem Stress am Samstag beschließe ich auszuschlafen, im Bett rumzulümmeln und dann gemütlich an den Strand zu gehen. Um halb 3 bin ich nach einer längeren Parkplatzsuche da.. Nur meine Freunde nicht (Ich hatte erwähnt, dass ich meinen Rhythmus noch nicht gefunden habe…) Die Leute, die mir ein Ragazzo, den ich durch Airbnb kennengelernt habe, vorgestellt hat, waren alle beim Pranzo mit ihren Eltern, Omas, Geschwistern, nur eine war am Strand, alleine..ohne Schirm. Da diese Freundesgruppe sich seit Kindertagen kennt und auch den Besitzer des Strandchalets, das die Liegestühle und Schirme vermietet, zum Freundeskreis zählt, wurde mir gesagt, dass ich mit unter ihren übergroßen Freundesschirm kommen kann.. nur wusste ich nicht, welcher es war, und alle waren weg 🙂 Notgedrungen -man weiss sich ja zu helfen- habe ich mich in der ersten Reihe direkt diagonal unter einem Paddelboot positioniert, so, dass mein Kopf im Schatten des Bootes weilte. Nun ja, ein Schelm wer böses denkt, aus weisser Voraussicht habe ich mich natürlich DIAGONAL hingelegt, so, dass man mich von der Seite aus sieht und kein Boot über mich schiebt. Ich habe also das Meer, mein Buch, die Sonne, den Ausblick auf Fussballspielende Italiener in knappen Speedos usw. genossen und wurde quasi sogar angeflirtet, als ich von eben diesen Jungs, abgeschossen wurde. Doch, natürlich blieb es nicht bei einem lässigen Sonntag Nachmittag, natürlich wollte dringend jemand paddeln, und ei da daus! Natürlich musste mein Kopf dran glauben. Mittlerweile waren dafür meine Bekannten eingetrudelt (darunter ein Arzt!) und die kickenden Jungs meinten „Oh, nein, jetzt haben wir dich endgültig vertrieben“ – Es war eher das Paddelboot, aber das habe ich lieber für mich behalten und ihnen erzählt, dass ich mich zu meinen Freunden begebe. Mit leichtem Kopfschmerz und nach ca. 4 Bädern im wohlig warmen Marken-Meer habe ich mich also Nachhause (in mein 5. Zuhause) begeben und den Sonntag Sonntag sein lassen.

 

Ein glühender Montag & ein heißer Dienstag

Wer hätte auch gedacht, dass die Kopfnuss nicht schon der Höhepunkt der Woche war, aber pünktlich mit dem Espresso am Montag morgen, hat sich mein Handy überlegt, sich zu verabschieden. Ich schreibe also nichtsahnend eine Whatsapp, das Handy geht aus und wird UNGLAUBLICH HEISS – es steigert und steigert sich, so, dass ich mich nicht traue, dieses verrückte Medium zuhause zu lassen, sondern es glühend mit auf die Arbeit schleppe… (zumindest habe ich somit einen Hausbrand erfolgreich verhindert.!)

Pah, im Juni war ich ohne Internet, da ist doch ein Leben ohne Handy ein Klacks.. Ich bin ja nur im Ausland und kenne hier 2 Personen besser und habe eine paar Bekannte …nun ja, keinen kann ich jetzt mehr erreichen, weil mein Handy nichts mehr macht und alle Nummern, Daten usw. mit ins Nirvana genommen hat. Wenn ich nicht eine Wohnung für nächste Woche suchen müsste und dazu telefonieren sollte, dann würde ich auch diese Herausforderung wie immer belächeln.. ich tu es trotzdem.. mal schauen wo es mich hinverschlägt.

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Wuuusaa, Füße ins Meer und ALLES ist gut

Es ist also Montag, ich bin handylos und habe im Hinterkopf, dass meine deutsche Versicherung mir schon Strafen androht, weil ich ein bestimmtes Formular einfach nicht einreiche..(Am Vorderkopf habe ich eine Beule!) um diesen Misstand zu beheben, habe ich schon letzte Woche meinen Chef nach einem Kontakt zur italienischen Versicherung gefragt… er meinte er fragt mal nach und meldet sich..als ich ein Woche später nachfrage, was sich so ergeben hat, erwidert er „ach, wurde dir das noch nicht gesagt“ &%$&%“$ und der Spießrutenlauf ging weiter…….. natürlich muss ich aufs Amt dafür, ich hatte dieses Amt in weißer Voraussicht schon einmal gegoogelt und ‚rausgefunden, dass es Dienstags von 10-12 Uhr offen hat 🙂 (muss ich mehr sagen?!) Ich informiere also den Chef höflich und steifel bei 33 Grad im Schatten zum Amt, wo der blinde Portier schläft und mich nachdem ich ihn angestupst hab‘ einfach hinter den Schalter holt, damit ich selbst mit der Uschi, die die Formulare macht, telefonieren kann.. Ihr erster Satz ist natürlich, „Signora, für dieses Formular bin ich nicht zuständig, dafür müssen Sie zum anderen Amt“ 🙂 … Für so einen ernüchternden, schweisstreibenden Spaziergang opfert man doch äußerst gerne seine Mittagspause. Der nette Portier, der dieses Amt so sehr liebt, wie ich, lässt mich direkt noch beim anderen Amt anrufen… wieder spreche ich mit einer netten Dame, die mich anschreit und wissen will „WER braucht dieses Formulaaaaaaaaaar?“ – Als ich mir langsam denke, „ich sicher nicht“ aber höflich sage:  „meine Versicherung, Signora“ und sie nach einem E-Mail Kontakt bitte, um mir das Formular doch online zukommen zu lassen, nachdem wir herausgefunden haben, dass auch sie nur dann arbeitet wenn alle anderen auch arbeiten nur viel kürzer, legt die nette Dame einfach auf!

Wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn ich nach einem Monat Jagd, das Formular einfach per Email bekommen hätte, so, dass ich es direkt weiterleiten können hätte, da ich ja kein Handy mehr habe, um es einzuscannen und dann abzuschicken…. Stay tuned – wir werden uns ja nun glücklicherweise noch persönlich kennenlernen. Die Mittagspause ist halb rum, ich ein bisschen brauner und ich renne zum Auto, damit ich noch ‚was zwischen die Kiemen bekomme………………………………. Falls ihr das Wort MULTA noch nicht kennt, es ist kein schönes Wort, und ich wünsche euch, dass ihr es nicht lesen müsst. STRAFZETTEL- auch noch ein Strafzettel. Parken ohne Parkscheibe, in der Strasse, in der ich immer ohne Parkscheibe parke – Ha! Doch bisher im richtigen Teil, im hinteren Teil darf man nämlich nur 1 h mit Parkscheibe parken (%$&%$§%§“$%!!! Nur zur Info – ein Stündchen ohne Scheibe kostet in Italien günstige 28,70€ – aber nur wenn ihr sofort bezahlt, nach 5 Tagen kostet es dann sagenhafte 41€ – faul sein is also och nüscht!

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La famosa MULTA

 

Es war erst Dienstag und jetzt ist erst Donnerstag, zwischendurch kam noch ein Ersatzhandy, dass einen Tag und eine Nacht auf Netzsuche war und auf dem Whatsapp nur manchmal funktioniert und natürlich nur im wlan; die Suche nach der Nummer meiner Kollegin, bei der ich gerade netterweise schlafen darf, da sie im Urlaub ist.. und der ich unbedingt irgendwie vermitteln musste, dass mein Handy kaputt ist, ein gehackter Facebook Account, sowie ein gesperrtes/gehacktes Instagram Konto (Wenn jemand weiss, wie man sich da wieder Zugriff verschaffen kann, wenn Passwort und Emailadresse geändert wurden und der Support nicht antwortet – bitte melden); eine Wohnungssuche über neu gefundene Bekannte aus dem Pizzaladen gegenüber, bei der ich spontan zur Besichtigung in einer Wohnung von einem Opa gelandet bin, der im April gestorben ist und ich mir nicht sicher bin, ob ich für überteuerte 350€ Miete / Woche (Es ist die Ferragosto-Haupturlaubswoche-in Italien – zum Thema: „Wie Touristen abgezogen werden“ später hier mehr) auf seiner Matratze schlafen würde. Die Tage verfliegen fröhlich und jeden Tag bietet sich eine Herausforderung – heute Abend war es die Jagd nach einem leichten Abendessen, ich dachte, nach 8,5 Stunden Beipackzettel übersetzen und der ausführlichen Lektüre über Blutgerinnsel, wäre ein leichter Lunch bei Sonnenuntergang doch ein schönes Ende für den Tag….

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Es fing so schön an…

 

Immer wenn ich sehr einfach denke, zum Beispiel so:

Jen geht in eine Laden, sucht sich einige Marche-typische Köstlichkeiten wie Olive all’Ascolana, und frittiertes Gemüse, Bohnen und vielleicht 1-3 Curry-Chickenwings aus, bei denen die Uschi meinte “ ma, molto buono!!!!“ – Ich möchte 3, sie tut 6 rein… schon da hätte ich stutzig werden können, doch positiv wie ich bin, denke ich, sie hat die Zahl, die ich gesagt habe, nicht gehört. Ich frage sie noch vor meiner Bestellung, ob ich mit Karte bezahlen kann, da ich noch 7€ in cash dabei habe.. sie sagt, „kein Problem“ und ich suche mir Tomaten, Bohnen, Aubergine und Zucchini aus… sie sieht meine Karte und meint „ja nee, die nicht“. Ich laufe fröhlich zur Bank, denn ich komme gerade vom Meer und bin gut drauf, ausserdem tut mir nach 8,5 h sitzen der Spaziergang sehr gut… Die Bank will meine Karte nicht, ich erinnere mich, meine sie wollte auch die Karte meiner Eltern nicht, obwohl sie meine schon einmal akzeptiert hat. Ich denke nichts böses und gehe zur nächsten Bank, auch die nimmt sie nicht. Nach dem Besuch der dritten Bank und mit zunehmendem Hungergefühl gehe ich zur Signora zurück, erzähle ihr vom Kartenproblem, gebe ihr 8,50€ (habe noch 1,50€ in meiner unergründlichen Handtasche gefunden) und sage „ich kann was dalassen oder den Rest morgen bringen“. Sie akzeptiert, wünscht mir „Buona Cena“ und ich mache mich auf, nachhause. Es ist bereits am dunkel werden, und alles hat wieder viel länger gedauert- es geht einfach nicht voran… ich komme im Dunklen Zuhause an, hole mir noch schnell was zum Anziehen für morgen aus dem Kofferraum, gehe rein, nachdem ich ewig gebraucht habe um die Türe zu öffnen, weil der Schlüssel geklemmt hat, setze mich endlich alleine an den großen Tisch (ja, alleine essen ist keine Freude) – denke an meine WG-Jungs, beiße in einen Chickenwing, verspeisse die gefüllten Oliven, bin kurz zufrieden, einen kleinen Moment, bis ich in den zweiten Wing beiße und mir ein Wurm entgegenkommt. Mehr sage ich nicht mehr zu diesem Thema.

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Olive all’Ascolana

Nur, man braucht nicht viel zum Glücklichsein – Sonnenschein und Meer reichen vollkommen aus.

Ich sitze hier, mit einem Kräuterlikör und schreibe diese Zeilen, ich kann eine tiefe Zufriedenheit spüren – aber ich glaube, die 60 cent werde ich der Signora niemals bringen. Es ist Donnerstag Abend – die Woche gerade über der Hälfte geschwappt, wer weiss, was sie noch bringt.. drückt mir die Daumen, dass ich heute Nacht nicht kotzen muss.

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Auch wenn das Meer mal traurig ist – es ist spitze 🙂

 

Wörter aus dem Text:

La dolce vita = Das süße Leben

Ragazzo = Junge, Typ

Pranzo = Mittagessen

Signora = Frau, Madame 😉

Multa = Strafzettel

Ferragosto = Feiertag am 15. August

Blutgerinnsel = coagulo di sangue

Olive all’Ascolana = Oliven nach ascolanischer Art (Aus der Stadt Ascoli Piceno)

molto buono = sehr lecker

Buona Cena = Guten Appetit / Gutes Abendessen (Cena=Abendessen)

Von München ans Meer – erste Bilanz

Was du zuerst weißt ist, dass du nichts weißt.

Man mag es vielleicht nicht glauben, dass es eine große Umstellung sein kann, wenn man von Deutschland nach Italien zieht: Hier erfahrt ihr wie es sich für mich bisher anfühlt.

Als ich damals von München nach Venedig gezogen bin war es schon auch anderes, ich meine: Venedig: man lebt auf dem Wasser. Trotz all der Besonderheiten der Lagunenstadt, hatte ich dort zwar ein ganz anderes Leben, aber die Unterschiede waren anders, und: kleiner, weniger spürbar im alltäglichen Leben.

Jetzt, wo ich von München ans Meer gezogen bin, merke ich, dass ich nichts weiß. Es ist ein völlig anderes Leben hier. Ich bin heute vor einem Monat in München losgefahren und meine erste Minibilanz lässt mich folgendes sagen.

Es ist traumhaft hier, aber ich muss noch viel lernen und ankommen.

Schon alleine der Arbeitsrhythmus (ich arbeite von 9-13 und 15-19 Uhr) lässt darauf schließen, dass hier die Uhren anders ticken. Ich habe mich sehr gefreut, als ich von diesen Arbeitszeiten erfahren habe, denn mir war schlagartig bewusst, dass ich so auch unter der Woche was vom Meer haben werde!! Außerdem bin ich eine Genießerin und Freundin des Selberkochens, was mir die 2 stündige Mittagspause wie ein Träumchen vorkommen lässt. Doch wenn man kocht, isst und 100m vom Meer entfernt wohnt können sogar 2 Stunden knapp werden 😎.

Was aber wirklich krass ist -meine Worte werden nicht annähernd beschreiben wie es sich wirklich anfühlt- ist, dass mittags alles WIE AUSGESTORBEN ist. Anfangs dachte ich, man könnte sich in der Mittagspause in ein Café setzten oder am Markt einkaufen… aber nope. Mindestens von 13-15 Uhr -manchmal auch deutlich länger- ist alles verriegelt. Zumindest im Stadtkern, also Bäckereien, Cafés, Läden, Metzger, Tante Emma Läden, Supermärktchen – ALLES!

Öffnungszeiten des kleinen Supermarktes

Lediglich am Meer haben einige Bars geöffnet – ein Mittagessen am Meer hat noch nie geschadet und man spart auch direkt die Kochzeit und ist schon am Meer zum Spaziergang oder rumlümmeln nach dem Essen…. 😉

Aber es bleibt nicht dabei.. manchmal sind hier zum Beispiel Märkte .. das erste mal als ich das wahrnahm, als ich morgens zur Arbeit ging, freute ich mich schon darauf in der Mittagspause über den Markt zu schlendern und mir vielleicht die ein oder andere Leckerei zu gönnen…. aber: wer hätts gedacht, als ich um kurz nach 13 Uhr ankam wurden gerade die letzten Stände abgebaut..

Da ich eine absolute Langschläferin bin und hier gegen 1 , 2 Uhr ins Bett gehe fällt es mir durchaus schwer vor der Arbeit so einen Markt zu besuchen.. mal schauen, was ich in Zukunft an meinem Rhythmus machen kann.. denn ich wache immer zwischen 5 und 6 auf aber bin dann halt sooooo müüüüüde. Leider beginnen die Märkte die ich bisher gesehen habe auch erst um 9 so dass ich eh keine Chance habe dort einzukaufen.

Letztens habe ich nicht schlecht gestaunt, als eine ältere Dame mir erzählt hat, dass sie jeden Tag um 5:30 aufsteht zur Pineta läuft (unser Pinienwald im Ort) dort spaziert und wieder zurückläuft (15 km Runde – läuft bei der).

Ältere Menschen nutzen hier die Morgenstunden um alles mögliche zu machen (aber die Läden haben glaube ich zu?!?) und ein Freund verriet mir neulich, dass um 5:30 im Meer zu schwimmen am Traumhaftesten sei… i Need to Work on my timing!

Nicht nur morgens, sondern zu allen Tageszeiten ist mein Rhythmus noch nicht so ganz synchronisiert.. denn wenn ich abends aus der Arbeit komme, bin ich entweder sooo hungrig oder will unbedingt noch schnellll ans Meer, bevor die Sonne untergeht. Wenn ich heimgehe um zu essen bin ich danach so müde und träge, dass ich das Haus eher nicht mehr verlasse und die Sonne ist nach dem Essen auch schon untergegangen. Wenn ich hingegen erst ans Meer gehe und dann evtl einkaufen und dann koche und esse, dann ist es soooo spät, dass ich einfach irgendwie alles zu weit nach hinten schiebt.

Ich merke bereits: Entweder müsste man alles vorbereiten, vorkochen oder ähnliches, damit man Mittagspause und den Abend besser genießen kann, denn der Arbeitstag wird halt durch die 2stündige Pause auch sehr lang..

Was ich aber noch mehr spüre, FAMILIE ist ein großes Stichwort. Mein Bekannter, der hier aus dem Ort kommt wohnt je 50 Meter von seinen Eltern und seiner Oma entfernt. Wenn er Mittagspause macht, geht er zu Mamma essen, bei Oma Kaffetrinken und so weiter.. natürlich ist diese Mittagspause, so verbracht, eine wertvolle Familienzeit. Aufgaben werden verteilt und das Zusammenleben wird zelebriert. Da ist es nur logisch, dass alle Läden dicht sind. Personen, die alleine sind, bleiben auf der Strecke…und Touris denken womöglich, dieser ist ein Geisterort…

Das ändert sich aber gehörig gegen spätestens 23 Uhr, denn da geht nämlich die Luzi ab und das Dorf erwacht. Dazu später mehr