Ey Mann, wo ist mein Auto?!? Oder: A caccia della MAZDA

Diese Geschichte gehört in die Kategorie Stolpersteine oder in die Kategorie Comedy, die ich vielleicht so langsam eröffnen sollte. Als ich hier mit dem Auto ankam und zum ersten Mal geparkt habe, hat mich Emanuele am Arm gepackt, zu zwei Schildern gezogen und mir sehr freundlich und sehr bestimmt gesagt: „ricordati, du musst immer auf das Schild am Anfang der Straße schauen“, denn in meinem kleinen Ort wird jede Nacht eine andere Straße sauber gemacht, dazu müssen die Autos weg und Dienstags ist auch Markt, da müssen sie weg, damit aufgebaut werden kann…

Immer wenn ich parke, schaue ich also auf das Schild am Anfang der Straße und mache mir eine geistige Notiz, wie lange ich da stehen kann, bis ich umparken muss. Ja, ich weiss, ihr ahnt es schon…

Ich habe ein wunderschönes Wochenende in der Toscana verbracht, mit meinen Liebsten, bin Sonntag abends erschöpft und müde zuhause angekommen, musste noch einiges organisieren, am Montag arbeiten und umziehen. Sonntags war ich froh, einen Parkplatz direkt hinterm Haus gefunden zu haben.. in dem Teil der Straße, wo man keine Strafe fürs Längerparken bekommt.. Dann bin ich schlafen, arbeiten, schlafen, arbeiten gegangen und am Dienstag komme ich nach der Mittagspause vom Meer zurück, sehe dass sie gerade den Markt abbauen und mir fällt etwas wichtiges ein. ÄÄÄÄÄÄÄHHHMMMMMM, scheißßßße, ich habe hinterm Haus geparkt. Offensichtlich steht da jetzt ein Marktstand und ich frage mich: „Ey Mann, wo ist mein Auto?!?“ Diese Frage muss ich jedoch zurückstellen, weil meine Mittagspause zu Ende ist. Nach der Arbeit spaziere ich also mehr oder weniger besorgt zur örtlichen Polizeistation, um nachzufragen, ob sie denn Hinweise auf den Verbleib meines Auto haben.. Netterweise rufen sie den örtlichen Abschleppdienst an, in dessen Werkstatt sie den Mazda ausfindig machen. 3 Polizeibeamte kümmern sich abwechselnd um mich, machen zahlreiche Kopien meines Ausweises, fragen wo ich herkomme, was ich hier mache, ob ich alleine bin, Ferien mache usw. natürlich bekomme ich auch umgehend meinen nächsten Strafzettel -mit den obligatorischen 28,70€- ausgestellt und da ich alleine und zu Fuß auf der Polizeistation angetanzt bin, eine kostenlose Fahrt in Begleitung im Polizeiauto zum Abschleppdienst! 🙂

Hätte ich das also auch erledigt, einmal Polizeiauto fahren ✅

Schön – Die Marken aus dem Polizeiauto

Auf der Fahrt habe ich natürlich mit den Polizisten gequatscht und mir auch kurz überlegt, sie nach einem Selfie zu fragen, das war dann aber doch zu heikel weil: #Pistolen. Auf jeden Fall haben wir uns gut unterhalten, der Polizist meinte nur, dass es hoffentlich das letzte Mal ist, dass ich Polizeiauto fahre, als ich ganz aufgeregt sagte „Ich bin noch nie Polizeiauto gefahren“ – die Polizistin entgegnete nur genervt, dass sie normalerweise auch keine solche Nettigkeitsfahrten im Programm haben.

Danke für den Bringdienst!

Eccola

Kopie hiervon, Kopie davon, auf jeden Fall bin ich stadtbekannt

Ich habe meine Familie und Freunde bereits darauf hingewiesen mich Montag abends freundlich ans umparken zu erinnern, außerdem habe ich einen Parkwecker eingerichtet und einen Straßenabschnitt gefunden, an dem man niemals abgeschleppt wird. 85€ für eine Abenteuerfahrt im Polizeiauto (also eigentlich fürs Abschleppen) sind ein bisschen überteuert aber #manlebtnureinmal

Die Rechnung bitte – Il conto per favore!

Mit dem lieben Geld hat ja jeder so seine Eigenheiten… Aber wenns ans (gemeinsame) Zahlen geht, stoßen oft viele kulturelle Unterschieden aufeinander: Die Rechnung bitte – Il conto per favore! – Und es treten Fragen auf wie: zusammen? getrennt? Trinkgeld? wie viel davon?

zusammen? getrennt?

Diese Frage stellt sich in Italien nicht. Während man in Deutschland eher selten schief angeschaut wird, wenn man mit einer Gruppe von 14 Menschen Essen geht und jeder sein Gericht und Getränk selbst bezahlt sowie Trinkgeld gibt, wäre das in Italien vermutlich ein Skandal mittleren Ausmaßes.

Eines Abends als wir alle ziemlich neu in Venedig waren, hat der Uni IT-ler sein Versprechen wahr gemacht und uns (einer Gruppe von circa 55 Leuten) die, seiner Meinung nach, beste Pizza Venedigs vorgestellt. Er hat also eine riesige Tafel reserviert und wir haben Pizze aller Arten bestellt und probiert, getrunken, gelacht und viel Spaß gehabt.

Als es jedoch ans Zahlen ging, brach DAS CHAOS aus. Wir waren eine Gruppe von Studenten aus aller Welt: Amerika, Australien, China, Deutschland, England, Holland, Japan, Spanien… die erst seit ungefähr einer Woche in Italien lebten und viele verschiedene Traditionen im Gepäck hatten.

Er erklärte uns also, das man hier alla romana bezahlt. In Italien ist es überhaupt nicht üblich, dass jeder bezahlt, was er verzehrt hat. Man nimmt also die Rechnung und teilt sie durch die Anwesenden. Jeder wirft was in die Runde. Es ist absolut nicht mehr nachzuvollziehen, was an diesem Abend geschah.. Einige waren nicht damit einverstanden, weil sie „extra die billigste Pizza bestellt haben“ andere wiederum feierten diese Art zu bezahlen und bestellten sich schnell noch ein, zwei Schnäpschen.. auf jeden Fall war der Teufel los.. natürlich, wie sollte es auch anders sein.. endete dieser Abend damit, dass über hundert Euro fehlten. Das ist ein extremes Beispiel mit einer Riesengruppe. Es war neu für alle und alle hatten noch viel zu lernen.

Im Freundeskreis hingegen hat es von Anfang an IMMER funktioniert. Es gab keine Benachteiligungsvorstöße.. weil mal die oder der eine, und mal der oder die andere, mehr oder weniger verspeisten oder tranken.. Außerdem einigte man sich vorher darauf, wohin man ging und kannte auch das Budget der anderen so ungefähr.

Das war am Pizzaabend so nicht gewesen. Eine große Gruppe wurde „ohne Vorwarnung ins kalte romanische Wasser geworfen“ – es ist immer wieder erfrischend, wie viel man lernen kann, wenn man sich aus der eigenen Kultur herauswagt um den Horizont zu erweitern.

Habt einen schönen Tag und schaut doch mal, wie die anderen bezahlen 😉

Auszug aus dem ‚Facebook‘ – Tagebuch vom 28.10.2012

Ok! ich liege mittlerweile lachend auf meinem Sofa. Venedig ist die unglaublichste Stadt der Welt… um Vier bin ich aufgewacht, weil der Wind ans Haus peitschte wie verrückt, eine Stunde hab‘ ich gedacht, er wird schon aufhören und mir nur gedacht „Wind; in dieser Stadt ist genug Wasser, bring bitte nicht noch mehr und lass mich schlafen, danke, gut Nacht“.. nach 2 Stunden habe ich in die Küche gewechselt, in der Hoffnung, dass ich schlafen kann und Wärmflasche und Kakao gemacht und ’ne komplette Zeitung gelesen… gerade als ich auf dem Sofa eingenickt war, nach 3 Stunden, werde ich aus meinem Dämmerschlaf von der Kriegssirene geweckt, die hier benutzt wird um Hochwasser anzukündigen… gefolgt von einer Art Panflöte, die anzeigt, wie hoch das Wasser kommen wird. Nachdem ich schon lachend dieser Flöte lauschte, dämmerte es langsam und ich bin wieder eingenickt….um dann von der SMS geweckt zu werden, die mir dann nochmal die genaue Uhrzeit und Höhe des Wassers mitteilt….. mittlerweile glaube ich nicht mehr an Schlaf…. facebook=Hochwassergefährte

 

In Venedig kommt es oft zu Hochwasser aqua alta, teilweise wird fast die komplette Stadt überflutet, so war das auch 2012 als es mal wieder ein Rekordhochwasser (160cm) gab. Für uns Studenten, die das noch nicht kannten, war es zuerst super aufregend. Aber schon nach ein paar Tagen, in denen wir Wind und Wetter trotzten, mit den Gummistiefeln zur Uni gingen und dort zu normalem Schuhwerk wechselten, hatten auch wir die Nase voll. Es folgen einige Eindrücke:

 

fico ≠ figa

Schauplatz: Eine Bar in Venedig

Tathergang: Essensbestellung

Ende der Geschichte: Die ganze Bar bricht in schallendes Gelächter aus

Jawoll, auch diese Wortkombination hat es in sich: Die Bar, in der sich diese Szene abspielte, ist abseits vom Touri-Gedränge gelegen und nur von Venezianern besucht. Deshalb war es auch besonders lustig, als ich dran war und laut über den Tresen rief: „Vorrei il panino con la figa“ – „Ich hätte gerne das Brötchen mit der Muschi“ …erst die komplette Schlange, alle hinter der Theke und schließlich noch alle, die es sich in der Bar gemütlich gemacht hatten, hatten ihren Spaß. Schnell wurde mir von meinen amüsierten Freundinnen erklärt, dass die Feige, die ich eigentlich haben wollte ‚il fico‘ ist. Ja, man bestellt schneller als man denken kann eine Muschi. Vor allem, da die italienische Feige einen männlichen Artikel hat und auf ‚o‘ endet, man in seinem Kopf aber eventuell noch deutsch denkt und deswegen meint, dass auch im Italienischen die Feige weiblich ist und somit auf ‚a‘ enden müsste ;). Ich habe erstmal für eine kleine Weile keine Brötchen mit Feigen mehr bestellt :p

il fico = die Feige

la figa = die Muschi

 

pompieri ≠ pompini

Das hier ist so peinlich, dass nicht mal mehr gelacht wurde sondern einfach darüber hinweg gesehen. Trotzdem ist es wichtig diese Wortkombi zu erwähnen:

Stell‘ dir vor, du bist bei deinem Großonkel in Italien zu Gast und hast gerade erst Italienisch gelernt – aber hast es halt noch nicht so super toll drauf. Ich habe meinem Onkel vom Gasalarm in meinem Haus erzählt, wie wir ein Loch in der Hauptgasleitung hatten und darauf hin die Feuerwehr angerückt ist, die Straße gesperrt hat, das Haus evakuiert hat usw… nur leider ist mir ein gravierender Fehler unterlaufen, denn anstatt das richtige Wort für Feuerwehr habe ich leider das Wort für Blowjob benutzt. Jaja, jeder weiß, wenn man eine Sprache von Muttersprachler lernt, dann bekommt man erstmal alle Schimpfworte und Schweinereien beigebracht… das kann einem auch zum Verhängnis werden… am Mittagstisch… beim 65-jährigen Großonkel…den man zum ersten Mal besucht…

Naja, er schreibt mir immer Oster- und Weihnachtskarten – Glück gehabt 😉

i pompieri = Die Feuerwehr

il pompino (Singular), i pompini (Plural) = der Blowjob

 

spazzatura ≠ spazzolino

Du willst sagen, dass du den Müll mit raus nimmst, erklärst deiner Mitbewohnerin aber stattdessen, dass du die Zahnbürste vor die Haustüre stellst. Jap, genau, sie muss denken, dass du durchgedreht bist. Manchmal hören sich Worte aber auch echt ähnlich an und im Eifer des Gefechts oder einfach morgens nach dem Aufstehen passieren dann eben solche lustigen Szenen. Deshalb:

la spazzatura = der Müll

lo spazzolino = die Zahnbürste