Eine Woche im Leben der Jen

Oder: Hab‘ ich eigentlich verarsch‘ mich auf der Stirn stehen?!

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Mit der richtigen Lebenseinstellung kann dir keiner was

 

 

Sagen wir mal, diese Woche fing diesen Sonntag an, so, wie es schon in der Bibel stand. (Denn am Samstag war ich mal wieder mit umziehen beschäftigt (das 5. Mal seit dem 15.6)

Ein Sonntag am Meer

Am Sonntag gehe ich also ans Meer, nicht an meines, nein, an das mit Sand im Nachbarort – nach dem Stress am Samstag beschließe ich auszuschlafen, im Bett rumzulümmeln und dann gemütlich an den Strand zu gehen. Um halb 3 bin ich nach einer längeren Parkplatzsuche da.. Nur meine Freunde nicht (Ich hatte erwähnt, dass ich meinen Rhythmus noch nicht gefunden habe…) Die Leute, die mir ein Ragazzo, den ich durch Airbnb kennengelernt habe, vorgestellt hat, waren alle beim Pranzo mit ihren Eltern, Omas, Geschwistern, nur eine war am Strand, alleine..ohne Schirm. Da diese Freundesgruppe sich seit Kindertagen kennt und auch den Besitzer des Strandchalets, das die Liegestühle und Schirme vermietet, zum Freundeskreis zählt, wurde mir gesagt, dass ich mit unter ihren übergroßen Freundesschirm kommen kann.. nur wusste ich nicht, welcher es war, und alle waren weg 🙂 Notgedrungen -man weiss sich ja zu helfen- habe ich mich in der ersten Reihe direkt diagonal unter einem Paddelboot positioniert, so, dass mein Kopf im Schatten des Bootes weilte. Nun ja, ein Schelm wer böses denkt, aus weisser Voraussicht habe ich mich natürlich DIAGONAL hingelegt, so, dass man mich von der Seite aus sieht und kein Boot über mich schiebt. Ich habe also das Meer, mein Buch, die Sonne, den Ausblick auf Fussballspielende Italiener in knappen Speedos usw. genossen und wurde quasi sogar angeflirtet, als ich von eben diesen Jungs, abgeschossen wurde. Doch, natürlich blieb es nicht bei einem lässigen Sonntag Nachmittag, natürlich wollte dringend jemand paddeln, und ei da daus! Natürlich musste mein Kopf dran glauben. Mittlerweile waren dafür meine Bekannten eingetrudelt (darunter ein Arzt!) und die kickenden Jungs meinten „Oh, nein, jetzt haben wir dich endgültig vertrieben“ – Es war eher das Paddelboot, aber das habe ich lieber für mich behalten und ihnen erzählt, dass ich mich zu meinen Freunden begebe. Mit leichtem Kopfschmerz und nach ca. 4 Bädern im wohlig warmen Marken-Meer habe ich mich also Nachhause (in mein 5. Zuhause) begeben und den Sonntag Sonntag sein lassen.

 

Ein glühender Montag & ein heißer Dienstag

Wer hätte auch gedacht, dass die Kopfnuss nicht schon der Höhepunkt der Woche war, aber pünktlich mit dem Espresso am Montag morgen, hat sich mein Handy überlegt, sich zu verabschieden. Ich schreibe also nichtsahnend eine Whatsapp, das Handy geht aus und wird UNGLAUBLICH HEISS – es steigert und steigert sich, so, dass ich mich nicht traue, dieses verrückte Medium zuhause zu lassen, sondern es glühend mit auf die Arbeit schleppe… (zumindest habe ich somit einen Hausbrand erfolgreich verhindert.!)

Pah, im Juni war ich ohne Internet, da ist doch ein Leben ohne Handy ein Klacks.. Ich bin ja nur im Ausland und kenne hier 2 Personen besser und habe eine paar Bekannte …nun ja, keinen kann ich jetzt mehr erreichen, weil mein Handy nichts mehr macht und alle Nummern, Daten usw. mit ins Nirvana genommen hat. Wenn ich nicht eine Wohnung für nächste Woche suchen müsste und dazu telefonieren sollte, dann würde ich auch diese Herausforderung wie immer belächeln.. ich tu es trotzdem.. mal schauen wo es mich hinverschlägt.

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Wuuusaa, Füße ins Meer und ALLES ist gut

Es ist also Montag, ich bin handylos und habe im Hinterkopf, dass meine deutsche Versicherung mir schon Strafen androht, weil ich ein bestimmtes Formular einfach nicht einreiche..(Am Vorderkopf habe ich eine Beule!) um diesen Misstand zu beheben, habe ich schon letzte Woche meinen Chef nach einem Kontakt zur italienischen Versicherung gefragt… er meinte er fragt mal nach und meldet sich..als ich ein Woche später nachfrage, was sich so ergeben hat, erwidert er „ach, wurde dir das noch nicht gesagt“ &%$&%“$ und der Spießrutenlauf ging weiter…….. natürlich muss ich aufs Amt dafür, ich hatte dieses Amt in weißer Voraussicht schon einmal gegoogelt und ‚rausgefunden, dass es Dienstags von 10-12 Uhr offen hat 🙂 (muss ich mehr sagen?!) Ich informiere also den Chef höflich und steifel bei 33 Grad im Schatten zum Amt, wo der blinde Portier schläft und mich nachdem ich ihn angestupst hab‘ einfach hinter den Schalter holt, damit ich selbst mit der Uschi, die die Formulare macht, telefonieren kann.. Ihr erster Satz ist natürlich, „Signora, für dieses Formular bin ich nicht zuständig, dafür müssen Sie zum anderen Amt“ 🙂 … Für so einen ernüchternden, schweisstreibenden Spaziergang opfert man doch äußerst gerne seine Mittagspause. Der nette Portier, der dieses Amt so sehr liebt, wie ich, lässt mich direkt noch beim anderen Amt anrufen… wieder spreche ich mit einer netten Dame, die mich anschreit und wissen will „WER braucht dieses Formulaaaaaaaaaar?“ – Als ich mir langsam denke, „ich sicher nicht“ aber höflich sage:  „meine Versicherung, Signora“ und sie nach einem E-Mail Kontakt bitte, um mir das Formular doch online zukommen zu lassen, nachdem wir herausgefunden haben, dass auch sie nur dann arbeitet wenn alle anderen auch arbeiten nur viel kürzer, legt die nette Dame einfach auf!

Wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn ich nach einem Monat Jagd, das Formular einfach per Email bekommen hätte, so, dass ich es direkt weiterleiten können hätte, da ich ja kein Handy mehr habe, um es einzuscannen und dann abzuschicken…. Stay tuned – wir werden uns ja nun glücklicherweise noch persönlich kennenlernen. Die Mittagspause ist halb rum, ich ein bisschen brauner und ich renne zum Auto, damit ich noch ‚was zwischen die Kiemen bekomme………………………………. Falls ihr das Wort MULTA noch nicht kennt, es ist kein schönes Wort, und ich wünsche euch, dass ihr es nicht lesen müsst. STRAFZETTEL- auch noch ein Strafzettel. Parken ohne Parkscheibe, in der Strasse, in der ich immer ohne Parkscheibe parke – Ha! Doch bisher im richtigen Teil, im hinteren Teil darf man nämlich nur 1 h mit Parkscheibe parken (%$&%$§%§“$%!!! Nur zur Info – ein Stündchen ohne Scheibe kostet in Italien günstige 28,70€ – aber nur wenn ihr sofort bezahlt, nach 5 Tagen kostet es dann sagenhafte 41€ – faul sein is also och nüscht!

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La famosa MULTA

 

Es war erst Dienstag und jetzt ist erst Donnerstag, zwischendurch kam noch ein Ersatzhandy, dass einen Tag und eine Nacht auf Netzsuche war und auf dem Whatsapp nur manchmal funktioniert und natürlich nur im wlan; die Suche nach der Nummer meiner Kollegin, bei der ich gerade netterweise schlafen darf, da sie im Urlaub ist.. und der ich unbedingt irgendwie vermitteln musste, dass mein Handy kaputt ist, ein gehackter Facebook Account, sowie ein gesperrtes/gehacktes Instagram Konto (Wenn jemand weiss, wie man sich da wieder Zugriff verschaffen kann, wenn Passwort und Emailadresse geändert wurden und der Support nicht antwortet – bitte melden); eine Wohnungssuche über neu gefundene Bekannte aus dem Pizzaladen gegenüber, bei der ich spontan zur Besichtigung in einer Wohnung von einem Opa gelandet bin, der im April gestorben ist und ich mir nicht sicher bin, ob ich für überteuerte 350€ Miete / Woche (Es ist die Ferragosto-Haupturlaubswoche-in Italien – zum Thema: „Wie Touristen abgezogen werden“ später hier mehr) auf seiner Matratze schlafen würde. Die Tage verfliegen fröhlich und jeden Tag bietet sich eine Herausforderung – heute Abend war es die Jagd nach einem leichten Abendessen, ich dachte, nach 8,5 Stunden Beipackzettel übersetzen und der ausführlichen Lektüre über Blutgerinnsel, wäre ein leichter Lunch bei Sonnenuntergang doch ein schönes Ende für den Tag….

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Es fing so schön an…

 

Immer wenn ich sehr einfach denke, zum Beispiel so:

Jen geht in eine Laden, sucht sich einige Marche-typische Köstlichkeiten wie Olive all’Ascolana, und frittiertes Gemüse, Bohnen und vielleicht 1-3 Curry-Chickenwings aus, bei denen die Uschi meinte “ ma, molto buono!!!!“ – Ich möchte 3, sie tut 6 rein… schon da hätte ich stutzig werden können, doch positiv wie ich bin, denke ich, sie hat die Zahl, die ich gesagt habe, nicht gehört. Ich frage sie noch vor meiner Bestellung, ob ich mit Karte bezahlen kann, da ich noch 7€ in cash dabei habe.. sie sagt, „kein Problem“ und ich suche mir Tomaten, Bohnen, Aubergine und Zucchini aus… sie sieht meine Karte und meint „ja nee, die nicht“. Ich laufe fröhlich zur Bank, denn ich komme gerade vom Meer und bin gut drauf, ausserdem tut mir nach 8,5 h sitzen der Spaziergang sehr gut… Die Bank will meine Karte nicht, ich erinnere mich, meine sie wollte auch die Karte meiner Eltern nicht, obwohl sie meine schon einmal akzeptiert hat. Ich denke nichts böses und gehe zur nächsten Bank, auch die nimmt sie nicht. Nach dem Besuch der dritten Bank und mit zunehmendem Hungergefühl gehe ich zur Signora zurück, erzähle ihr vom Kartenproblem, gebe ihr 8,50€ (habe noch 1,50€ in meiner unergründlichen Handtasche gefunden) und sage „ich kann was dalassen oder den Rest morgen bringen“. Sie akzeptiert, wünscht mir „Buona Cena“ und ich mache mich auf, nachhause. Es ist bereits am dunkel werden, und alles hat wieder viel länger gedauert- es geht einfach nicht voran… ich komme im Dunklen Zuhause an, hole mir noch schnell was zum Anziehen für morgen aus dem Kofferraum, gehe rein, nachdem ich ewig gebraucht habe um die Türe zu öffnen, weil der Schlüssel geklemmt hat, setze mich endlich alleine an den großen Tisch (ja, alleine essen ist keine Freude) – denke an meine WG-Jungs, beiße in einen Chickenwing, verspeisse die gefüllten Oliven, bin kurz zufrieden, einen kleinen Moment, bis ich in den zweiten Wing beiße und mir ein Wurm entgegenkommt. Mehr sage ich nicht mehr zu diesem Thema.

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Olive all’Ascolana

Nur, man braucht nicht viel zum Glücklichsein – Sonnenschein und Meer reichen vollkommen aus.

Ich sitze hier, mit einem Kräuterlikör und schreibe diese Zeilen, ich kann eine tiefe Zufriedenheit spüren – aber ich glaube, die 60 cent werde ich der Signora niemals bringen. Es ist Donnerstag Abend – die Woche gerade über der Hälfte geschwappt, wer weiss, was sie noch bringt.. drückt mir die Daumen, dass ich heute Nacht nicht kotzen muss.

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Auch wenn das Meer mal traurig ist – es ist spitze 🙂

 

Wörter aus dem Text:

La dolce vita = Das süße Leben

Ragazzo = Junge, Typ

Pranzo = Mittagessen

Signora = Frau, Madame 😉

Multa = Strafzettel

Ferragosto = Feiertag am 15. August

Blutgerinnsel = coagulo di sangue

Olive all’Ascolana = Oliven nach ascolanischer Art (Aus der Stadt Ascoli Piceno)

molto buono = sehr lecker

Buona Cena = Guten Appetit / Gutes Abendessen (Cena=Abendessen)

Von München ans Meer – erste Bilanz

Was du zuerst weißt ist, dass du nichts weißt.

Man mag es vielleicht nicht glauben, dass es eine große Umstellung sein kann, wenn man von Deutschland nach Italien zieht: Hier erfahrt ihr wie es sich für mich bisher anfühlt.

Als ich damals von München nach Venedig gezogen bin war es schon auch anderes, ich meine: Venedig: man lebt auf dem Wasser. Trotz all der Besonderheiten der Lagunenstadt, hatte ich dort zwar ein ganz anderes Leben, aber die Unterschiede waren anders, und: kleiner, weniger spürbar im alltäglichen Leben.

Jetzt, wo ich von München ans Meer gezogen bin, merke ich, dass ich nichts weiß. Es ist ein völlig anderes Leben hier. Ich bin heute vor einem Monat in München losgefahren und meine erste Minibilanz lässt mich folgendes sagen.

Es ist traumhaft hier, aber ich muss noch viel lernen und ankommen.

Schon alleine der Arbeitsrhythmus (ich arbeite von 9-13 und 15-19 Uhr) lässt darauf schließen, dass hier die Uhren anders ticken. Ich habe mich sehr gefreut, als ich von diesen Arbeitszeiten erfahren habe, denn mir war schlagartig bewusst, dass ich so auch unter der Woche was vom Meer haben werde!! Außerdem bin ich eine Genießerin und Freundin des Selberkochens, was mir die 2 stündige Mittagspause wie ein Träumchen vorkommen lässt. Doch wenn man kocht, isst und 100m vom Meer entfernt wohnt können sogar 2 Stunden knapp werden 😎.

Was aber wirklich krass ist -meine Worte werden nicht annähernd beschreiben wie es sich wirklich anfühlt- ist, dass mittags alles WIE AUSGESTORBEN ist. Anfangs dachte ich, man könnte sich in der Mittagspause in ein Café setzten oder am Markt einkaufen… aber nope. Mindestens von 13-15 Uhr -manchmal auch deutlich länger- ist alles verriegelt. Zumindest im Stadtkern, also Bäckereien, Cafés, Läden, Metzger, Tante Emma Läden, Supermärktchen – ALLES!

Öffnungszeiten des kleinen Supermarktes

Lediglich am Meer haben einige Bars geöffnet – ein Mittagessen am Meer hat noch nie geschadet und man spart auch direkt die Kochzeit und ist schon am Meer zum Spaziergang oder rumlümmeln nach dem Essen…. 😉

Aber es bleibt nicht dabei.. manchmal sind hier zum Beispiel Märkte .. das erste mal als ich das wahrnahm, als ich morgens zur Arbeit ging, freute ich mich schon darauf in der Mittagspause über den Markt zu schlendern und mir vielleicht die ein oder andere Leckerei zu gönnen…. aber: wer hätts gedacht, als ich um kurz nach 13 Uhr ankam wurden gerade die letzten Stände abgebaut..

Da ich eine absolute Langschläferin bin und hier gegen 1 , 2 Uhr ins Bett gehe fällt es mir durchaus schwer vor der Arbeit so einen Markt zu besuchen.. mal schauen, was ich in Zukunft an meinem Rhythmus machen kann.. denn ich wache immer zwischen 5 und 6 auf aber bin dann halt sooooo müüüüüde. Leider beginnen die Märkte die ich bisher gesehen habe auch erst um 9 so dass ich eh keine Chance habe dort einzukaufen.

Letztens habe ich nicht schlecht gestaunt, als eine ältere Dame mir erzählt hat, dass sie jeden Tag um 5:30 aufsteht zur Pineta läuft (unser Pinienwald im Ort) dort spaziert und wieder zurückläuft (15 km Runde – läuft bei der).

Ältere Menschen nutzen hier die Morgenstunden um alles mögliche zu machen (aber die Läden haben glaube ich zu?!?) und ein Freund verriet mir neulich, dass um 5:30 im Meer zu schwimmen am Traumhaftesten sei… i Need to Work on my timing!

Nicht nur morgens, sondern zu allen Tageszeiten ist mein Rhythmus noch nicht so ganz synchronisiert.. denn wenn ich abends aus der Arbeit komme, bin ich entweder sooo hungrig oder will unbedingt noch schnellll ans Meer, bevor die Sonne untergeht. Wenn ich heimgehe um zu essen bin ich danach so müde und träge, dass ich das Haus eher nicht mehr verlasse und die Sonne ist nach dem Essen auch schon untergegangen. Wenn ich hingegen erst ans Meer gehe und dann evtl einkaufen und dann koche und esse, dann ist es soooo spät, dass ich einfach irgendwie alles zu weit nach hinten schiebt.

Ich merke bereits: Entweder müsste man alles vorbereiten, vorkochen oder ähnliches, damit man Mittagspause und den Abend besser genießen kann, denn der Arbeitstag wird halt durch die 2stündige Pause auch sehr lang..

Was ich aber noch mehr spüre, FAMILIE ist ein großes Stichwort. Mein Bekannter, der hier aus dem Ort kommt wohnt je 50 Meter von seinen Eltern und seiner Oma entfernt. Wenn er Mittagspause macht, geht er zu Mamma essen, bei Oma Kaffetrinken und so weiter.. natürlich ist diese Mittagspause, so verbracht, eine wertvolle Familienzeit. Aufgaben werden verteilt und das Zusammenleben wird zelebriert. Da ist es nur logisch, dass alle Läden dicht sind. Personen, die alleine sind, bleiben auf der Strecke…und Touris denken womöglich, dieser ist ein Geisterort…

Das ändert sich aber gehörig gegen spätestens 23 Uhr, denn da geht nämlich die Luzi ab und das Dorf erwacht. Dazu später mehr

Die Rechnung bitte – Il conto per favore!

Mit dem lieben Geld hat ja jeder so seine Eigenheiten… Aber wenns ans (gemeinsame) Zahlen geht, stoßen oft viele kulturelle Unterschieden aufeinander: Die Rechnung bitte – Il conto per favore! – Und es treten Fragen auf wie: zusammen? getrennt? Trinkgeld? wie viel davon?

zusammen? getrennt?

Diese Frage stellt sich in Italien nicht. Während man in Deutschland eher selten schief angeschaut wird, wenn man mit einer Gruppe von 14 Menschen Essen geht und jeder sein Gericht und Getränk selbst bezahlt sowie Trinkgeld gibt, wäre das in Italien vermutlich ein Skandal mittleren Ausmaßes.

Eines Abends als wir alle ziemlich neu in Venedig waren, hat der Uni IT-ler sein Versprechen wahr gemacht und uns (einer Gruppe von circa 55 Leuten) die, seiner Meinung nach, beste Pizza Venedigs vorgestellt. Er hat also eine riesige Tafel reserviert und wir haben Pizze aller Arten bestellt und probiert, getrunken, gelacht und viel Spaß gehabt.

Als es jedoch ans Zahlen ging, brach DAS CHAOS aus. Wir waren eine Gruppe von Studenten aus aller Welt: Amerika, Australien, China, Deutschland, England, Holland, Japan, Spanien… die erst seit ungefähr einer Woche in Italien lebten und viele verschiedene Traditionen im Gepäck hatten.

Er erklärte uns also, das man hier alla romana bezahlt. In Italien ist es überhaupt nicht üblich, dass jeder bezahlt, was er verzehrt hat. Man nimmt also die Rechnung und teilt sie durch die Anwesenden. Jeder wirft was in die Runde. Es ist absolut nicht mehr nachzuvollziehen, was an diesem Abend geschah.. Einige waren nicht damit einverstanden, weil sie „extra die billigste Pizza bestellt haben“ andere wiederum feierten diese Art zu bezahlen und bestellten sich schnell noch ein, zwei Schnäpschen.. auf jeden Fall war der Teufel los.. natürlich, wie sollte es auch anders sein.. endete dieser Abend damit, dass über hundert Euro fehlten. Das ist ein extremes Beispiel mit einer Riesengruppe. Es war neu für alle und alle hatten noch viel zu lernen.

Im Freundeskreis hingegen hat es von Anfang an IMMER funktioniert. Es gab keine Benachteiligungsvorstöße.. weil mal die oder der eine, und mal der oder die andere, mehr oder weniger verspeisten oder tranken.. Außerdem einigte man sich vorher darauf, wohin man ging und kannte auch das Budget der anderen so ungefähr.

Das war am Pizzaabend so nicht gewesen. Eine große Gruppe wurde „ohne Vorwarnung ins kalte romanische Wasser geworfen“ – es ist immer wieder erfrischend, wie viel man lernen kann, wenn man sich aus der eigenen Kultur herauswagt um den Horizont zu erweitern.

Habt einen schönen Tag und schaut doch mal, wie die anderen bezahlen 😉

Auszug aus dem ‚Facebook‘ – Tagebuch vom 28.10.2012

Ok! ich liege mittlerweile lachend auf meinem Sofa. Venedig ist die unglaublichste Stadt der Welt… um Vier bin ich aufgewacht, weil der Wind ans Haus peitschte wie verrückt, eine Stunde hab‘ ich gedacht, er wird schon aufhören und mir nur gedacht „Wind; in dieser Stadt ist genug Wasser, bring bitte nicht noch mehr und lass mich schlafen, danke, gut Nacht“.. nach 2 Stunden habe ich in die Küche gewechselt, in der Hoffnung, dass ich schlafen kann und Wärmflasche und Kakao gemacht und ’ne komplette Zeitung gelesen… gerade als ich auf dem Sofa eingenickt war, nach 3 Stunden, werde ich aus meinem Dämmerschlaf von der Kriegssirene geweckt, die hier benutzt wird um Hochwasser anzukündigen… gefolgt von einer Art Panflöte, die anzeigt, wie hoch das Wasser kommen wird. Nachdem ich schon lachend dieser Flöte lauschte, dämmerte es langsam und ich bin wieder eingenickt….um dann von der SMS geweckt zu werden, die mir dann nochmal die genaue Uhrzeit und Höhe des Wassers mitteilt….. mittlerweile glaube ich nicht mehr an Schlaf…. facebook=Hochwassergefährte

 

In Venedig kommt es oft zu Hochwasser aqua alta, teilweise wird fast die komplette Stadt überflutet, so war das auch 2012 als es mal wieder ein Rekordhochwasser (160cm) gab. Für uns Studenten, die das noch nicht kannten, war es zuerst super aufregend. Aber schon nach ein paar Tagen, in denen wir Wind und Wetter trotzten, mit den Gummistiefeln zur Uni gingen und dort zu normalem Schuhwerk wechselten, hatten auch wir die Nase voll. Es folgen einige Eindrücke: